Montag, 25. März 2013

Rückblick: von Bombay bis chennai


Hallo ihr Lieben,

Ich habe lange nichts mehr auf der Seite gepostet, aber keine Sorgen, es geht mir gut! Ihr habt wahrscheinlich alle die Nachrichten über das Schweizer Ehepaar gehört. Ich weiss nicht was ich sagen soll, dass sich nicht blöd anhört, ausser dass ich auf mich aufpasse und bisher in keiner Gefahr war.

In den letzten Wochen war ich viel unterwegs und hatte selten Internet, weswegen ich keine Zeit hatte,hier etwas zu posten. Ich gebe mal einen kurzen Rückblick über meine Reiseroute seit aurangabad (den Text hatte ich schon vor Ewigkeit angefangen, kann aber wie gesagt nicht dazu ihn hier zu Posten):

Meine erste Station war Bombay. In Bombay war ich Couch surfen und hatte einen sehr guten Gastgeber. Er kommt aus der Oberschicht (würde ich jetzt einfach mal behaupten) und ist sehr westlich geprägt. Durch ihn und seine Freunde konnte ich viel über das Leben der modernen Jugend einer Großstadt Indiens erfahren. Obwohl er schon 27 ist, wohnt er noch immer bei seinen Eltern. Ausziehen darf man erst nach der Heirat. Oft wird die Heirat zwischen zwei Familien arrangiert, doch immer mehr junge Leute streben sich dagegen und gegen viele andere alte Traditionen und Sitten. Vor allem die reiche Jugend richtet sich nach der westlichen Kultur und Lebensweise. Die Menschen bauen unglaublich viele englische Wörter in ihre Sprache ein, sodass ein buntes Kauderwelsch entsteht, von dem ich manchmal ziemlich viel verstehen kann. Am ersten Abend in Bombay war ich mit meinem Gastgeber und anderen Touristen, die ich zuvor in aurangabad kennen gelernt hatte, in einem pub was trinken. Der Abend war sehr lustig, doch leider hab ich mir im pub eine Erkältung zugezogen, da die Klimaanlage auf höchster Stufe aufgedreht war. Am nächsten Tag war ich mit meinem Gastgeber in einem Club, weil ich die Party Kultur in Indien mal sehen wollte. Die jungen Leute ziehen dann sehr westliche Kleidung an, vor allem die kurzen Kleider der Frauen überraschen einen, ist es doch normalerweise tabu, ein bisschen Bein in der Öffentlichkeit zu zeigen. Die Getränke und die Preise gleichen denen in westlichen Clubs. Die Musik besteht aus amerikanischen und europäischen Radio Hits vor zwei Jahren.

Die nächsten zwei Tage habe ich genutzt, um Bombay zu erkunden. Ausserdem habe ich den grössten Slum Indiens, Dharavi, besucht. Da alle Leute meinten, dass es zu gefährlich sei, den Slum alleine zu betreten, habe ich eine teure Tour gebucht. Als ich dann mit meinem Guide, der kaum englisch sprach, durch die engen Strassen gelaufen bin, dachte ich mir, dass ich das Gebiet auch alleine hätte besuchen können. Die Menschen waren alle sehr nett und freundlich zu mir und haben immer nach Fotos von sich gefragt. Aber durch die Führung konnte ich verschiedene Gebiete des Slums sehen, in dem über eine Million Menschen leben. Ganze Industriegebiete sind dort angesiedelt: es gibt viele kleine Schneiderbetriebe, Töpfereien, und eine riesige Recycling Industrie, in der alles von Plastik bis Metall getrennt und verarbeitet wird. Nachdem die Tour beendet war, bin ich alleine in das grösste Wäschereigebiet von Bombay gefahren. Dort habe ich mir vor Ort einen Führer selbst gesucht, der viel besser als mein erster Guide war.

Von Bombay ging es am 5.3. wieder nach goa. Nachdem ich vier wunderschöne Tage mit Alex, meiner alten Mitbewohnerin aus Freiburg, in goa verbracht hatte, bin ich am 10.3. Von goa nach Kerala geflogen. Als ich alle meine Tickets von Zuhause aus gebucht hatte, hatte ich nicht so viel Lust auf eine 14 Stunden lange zugfahrt, aber im nachhinein hätte ich lieber den Zug genommen. Zum einen ist der Zug viel billiger, zum anderen benötigt man ebenso viel Zeit für die Anfahrt und den Aufenthalt am Flughafen, die man nie in die Berechnung des Fluges mit einbezieht. Ausserdem finde ich das Zug fahren hier gar nicht so schlecht. Es ist relativ bequem und man kann leicht Menschen kennen lernen, wenn man möchte.

In kerala bin ich zuerst in kochi, einer alten Stadt mit schönen Flair gelandet. Dort bin ich aber nur eine Nacht geblieben, da ich mich mit der Kanadierin Jennifer, die ich zuvor in hampi kennen gelernt hatte, verabredet hatte. Wir hatten verabredet, gemeinsam eine Tour durch die backwaters, einem riesigen Wassergebiet bestehend aus einer Vielzahl von Kanälen, zu machen. Ich bin also am nächsten Tag von kochi nach alleppey, dem Ort an dem Jennifer auf mich wartete, gefahren und wir haben am gleichen Tag ein Hausboot, auf dem man die backwaters befahren und in dem man auch eine Nacht übernachten konnte, gemietet. Die Tour war wunderschön: die Kanäle, durch die wir fuhren, waren sehr ruhig und umsäumt von Palmen und anderen pflanzen. Ausserdem gab es auf dem Boot zwei Männer, die das Boot führen und für uns köstliche Mahlzeiten zubereiteten.

Am nächsten Tag kamen wir von den backwaters wieder und fuhren danach weiter nach Süden nach varkala, einem schönen Ort am Strand. Dort habe ich zufällig auch meine Kommilitonin Katharina, die ich zuerst in hyderabad getroffen hatte, wieder gesehen. Obwohl es in varkala sehr schön war, war ich der Strände, von denen ich in goa genug hatte, müde und bin nach zwei Tagen wieder zurück nach kochi gefahren. Obwohl ich beim ersten mal nur einen Abend in der Stadt verbracht hatte, gefiel mir der Ort sehr und ich wollte ihn nochmal sehen. Als ich das zweite mal dort war, habe ich wieder Couch surfing gemacht und hatte wieder einen sehr netten Gastgeber. Wir hatten sehr viele interessante Unterhaltungen und Diskussionen, wodurch ich wieder mehr Einblicke in die indische Kultur bekommen konnte. Ausserdem wurde zu dem Zeitpunkt die Biennale, ein Kunst Festival, in kochi veranstaltet. Es war super interessant, die indische (und natürlich auch internationale) zeitgenössische Kunst zu sehen und mal wieder elektronische Musik zu hören. Man denkt nicht, wie viel in Indien in diesem Bereich zurzeit los ist. Am letzten Tag vor meiner Weiterreise traf ich mich wieder mit Katharina, die immer am gleichen Ort wie ich war, nur ein paar Tage später.

Am 18.3. ging meine Reise weiter nach munnar, einem kleinen Ort in den West Ghats, einem Gebirge in Südindien. Da der Ort höher liegt, ist das Klima dort ganz anders als an der Küste. Es ist kühler und frischer als im Rest Südindiens. Für mich war der Aufenthalt eine wunderbare Abwechslung zu der sonstigen Hitze, die meinem Körper viel Energie abverlangt hatte. Die Landschaft war wunderschön: die Berge und Hügel waren so saftig grün wie schon lange nicht mehr auf meiner Reise. Das Gebiet ist bekannt für die grossen Tee Plantagen, die neben dem Tourismus das Haupteinkommen der Bevölkerung ausmachen. Durch Zufall bin ich in einem einem sehr schönen Hotel gelandet, das von einem sehr netten Manager geführt wurde. Der Manager bot nebenbei für die Gäste Meditation und Yoga Kurse an, an denen ich jeden Tag teilnahm und dafür dem Manager manchmal half. Munnar und das Hotel haben mir so sehr gefallen, dass ich viel länger als geplant geblieben bin. Dort habe ich auch meinen Geburtstag gefeiert. Jedoch habe ich niemanden in meinem Hotel davon erzählt und bin stattdessen alleine in die berge gefahren und hatte einen wunderschönen Tag in der Natur.

Am 24.3 nahm ich dann einen Nachtbus nach chennai, weil ich von chennai heute, am 26. weiter nach jaipur in Rajasthan fliege. Dort werde ich wieder Couch surfen, diesmal bei einer Frau aus Frankreich, die schon zwei Jahre dort lebt. Morgen ist dann holi, das Frühlingsfest, das ganz wild und mit vielen bunten Farben gefeiert wird. Ich bin schon sehr gespannt, wie das sein wird.

Liebe grüße
Olga

Sonntag, 10. März 2013

Von Hyderabad nach Bombay

Hallo ihr Lieben, (Diesen Text habe ich schon vor einer Woche geschrieben. Jedoch hatte ich noch keine Moeglichkeit ihn zu veroeffentlichen.)

Ich bin gerade auf dem weg nach Bombay (oder Mumbai, wie es heute
heisst). Die letzte Woche war ich in hyderabad bei meiner Kommilitonen
rajitha und danach in aurangabad, in deren Nähe es wunderschöne alte
Höhlen gibt.

Zuerst hyderabad: ich weiss nicht, ob man davon in den Nachrichten in
Deutschland berichtet hat, aber am Donnerstag, den 25. Februar gab es
einen Brandanschlag im Zentrum der Stadt. Dabei starben Ca. 20
Menschen und 50 wurden verletzt. Ich hab davon auf der zugreise nach
hyderabad gehört und war am Anfang natürlich etwas verunsichert. Als
ich dann bei meiner Freundin war, war alles gut. Eigentlich habe ich
von dem Vorfall gar nichts mitbekommen. Der Anschlag richtete sich
nicht gegen Ausländer oder Touristen sondern ist ein Resultat des
internen hindu-moslem Konfliktes im Land.

Am Freitag war ich zuerst mit einer anderen Kommilitonen, Katharina,
die zufällig zum gleichen Zeitpunkt bei rajitha war, in der Stadt
unterwegs, eine der vielen Festungen des Landes besichtigen. Am
nächsten Tag bin ich zusammen mit rajitha und ihrem Mann und Sohn zu
verwandten in warangal gefahren. Auf dem weg hielten wir auf der neuen
Farm von rajitha an. Rajitha plant mangos und andere Früchte auf der
Plantage abzubauen. Abends kamen wir bei rajithas schwägerin und ihrer
Familie an. Ich konnte dann die riesige Sammlung an Sari bestaunen und
hab mir meine Hände mit henna bemalen lassen. Wunderschön sieht das
aus und ist anscheinend auch sehr gut für den Körper. Die Farbe soll
die Hitze aus dem Körper nehmen.

Ausserdem konnte ich beim Abendessen mal wieder bestaunen, wie viel
diese kleinen Inder essen. Ich bin ja kein schlechter Esser, aber hier
isst selbst der 7 jährige Sohn von meiner Freundin mehr als ich. Alle
haben sich gewundert, dass ich nur so wenig esse und ich musste
mehrmals versichern, dass mir das Essen schmeckt und ich einfach nicht
so viel reis essen kann wie sie. Vor allen Dingen nicht drei mal am
Tag. Am Ende meines Besuches war ich der ganzen reisgerichte leid und
wollte nur ein wenig Gemüse oder Obst Essen, was hier vergleichsweise
wenig gegessen wird. Für mich wurde dann extra melone und gurken
gekauft. Am Sonntag schauten wir uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt
an, wie immer einen alten Tempel und eine Festung. Am interessantesten
war der Besuch eines heute noch wichtigen hinduistischen Tempels, wo
ich die ganzen gebetszeremonie mitmachen durfte und von irgendeinem
Gott den Segen bekommen habe. danach fuhren wir zurück nach hyderabad
und am Montag Abend fuhr  ich weiter nach aurangabad. Zuvor wollte ich
aber mit Hilfe von rajitha mir einen Sari kaufen. Ich finde die
indischen Kleider und Stoffe so wunderschön! Mein Geschmack ist aber
doch anders als der der Inder  und es gab erstmal ein paar
Schwierigkeiten, bevor ich einen Sari für mich finden konnte. Keine
Ahnung, ob ich ihn jemals tragen werde, aber Saris finde ich einfach
toll. Der Besuch bei meiner Freundin war insgesamt sehr schön und ich
bekam einen sehr interessanten Einblick in das Leben der indischen
Mittelschicht.

In aurangabad kam ich um 5 Uhr morgens an und nachdem ich eine Stunde
am Bahnhof auf den Sonnenaufgang gewartet habe, habe ich mich
aufgemacht, eine bleibe in der Stadt zu suchen. Natürlich wurde ich
vom ricksha Fahrer zu einem anderen Hotel gefahren, das besser als das
von mir gesuchte Hotel sein sollte. Nachdem ich den Preis von 500 auf
400 rupi runter gehandelt hatte, bin ich dann doch in dem Hotel
geblieben. Handeln ist nebenbei eines der Dinge, die ich an Indien am
wenigsten mag. Das kommt wahrscheinlich daher, dass ich ganz schlecht
handeln kann. Ich will gar nicht wissen wie oft ich wahrscheinlich
schon übers Ohr gehauen wurde. Es fällt mir einfach schwer mit den
Menschen zu handeln wissend, dass ich mir den Preis eigentlich auch so
leisten kann. Anderseits macht es natürlich keine spass etwas zu
kaufen, wenn man weiss das es eigentlich total überteuert ist. Egal
was ich mache, ich fühle mich nicht wohl dabei.Also kaufe ich relativ
wenig. Vielleicht mache ich es später mehr, wenn ich mich an das
handeln gewöhnt habe.

Nach aurangabad fuhr ich nicht wegen der Stadt an sich, sondern weil
es wunderschöne Höhlen in der Nähe der Stadt gibt. Es sind die höhlen
von ellora und anjana. Ich blieb drei Tage in der Stadt. Am ersten Tag
habe ich mir ein Fahrrad geliehen, um bei der Post endlich die ersten
Postkarten abzuschicken. Da ich nur eine sehr ungenaue Karte von der
Stadt hatte, musste ich mehrmals nach dem weg Fragen. Leider kann das
in Indien sehr tückisch sein. Indern ist es immer sehr unangenehm,
wenn sie etwas nicht wissen. Wenn man sie nach dem weg fragt und sie
es nicht wissen, kann es sein, dass sie anstatt zu sagen, dass sie den
weg nicht wissen, dir irgendetwas ungenaues sagen. Das tun sie um ihr
Gesicht zu wahren. Meine Strategie dabei ist, einfach immer wieder
nach den weg zu fragen. Und irgendwann kommt man auch bei der Post an.
Diese Eigenschaft der Inder sowie ihre Fahrweise, die viele andere
Touristen nervt, stören mich aber gar nicht, vielleicht weil ich auch
wie eine sau fahre.

Gleich komme ich in Bombay an, der grössten Stadt Indiens.Ich bin
schon sehr gespannt. Die Meinungen, die ich bisher von anderen
reisenden gehört habe, sind sehr unterschiedlich. Es scheint, entweder
liebt oder hasst man die Stadt. Ich werde in Bombay bei einem Inder
und seinen Eltern Couch surfen und erhoffe mir dadurch einen besseren
Zugang zu der Stadt zu erhalten. Ach ja, dabei fällt mir eine
Begegnung mit einem anderen Inder in aurangabad ein.auf dem Markt hat
mir ein Inder mit guten englisch Kenntnissen beim kauf von Obst
geholfen. Daraufhin kamen wir uns Gespräch und er erzählte mir, dass
er Bombay für eine amerikanische Firma arbeitet und dafür viel in
Indien reisen muss. Da ich an den Tag alleine unterwegs war, fragte
ich ihn, ob er mit mir zu Abend essen wolle. Das zunächst interessant
erscheinende Treffen wurde leider eher unangenehm merkwürdig. Als wir
uns eine Stunde später trafen, fragte er mich, ob ich mit ihm auf sein
Zimmer gehen wolle oder er zu mir auf mein Zimmer kommen könne. Als
ich beides verneinte, gingen wir an der Hauptstraße “spazieren“, wobei
ich irgendwie immer auf der Straßenseite ging. Er konnte mein Wechseln
auf die Innenseite nicht nachvollziehen und machte sich über meine
Erklärung, dass mir das vorbei fahren der Autos unangenehm war, nur
lustig. Soviel zu den gentleman Fähigkeiten der Inder. Seine Fragen
waren ebenso merkwürdig. Nachdem er erzählt hatte, dass er eine Frau
und ein zwei Jahre altes Kind hat, gleichzeitig noch eine Freundin
hat, fragte er mich nach meinem Privatleben aus. Meine Antworten hielt
ich möglichst generell, auch als er fragte ob ich gerne küssen würde.
Als ich dieser Frage ausgewichen bin, wunderte er sich wieso ich eine
Fragen nicht beantworten wollte und ich erwiderte, dass sie zu privat
seien. Getoppt wurde das ganze von einer Liebeserklärung an Hitler,
den er für einen netten Kerl hielt. Sein Buch hatte er natürlich auch
gelesen und stimmte dem voll zu. Meiner ebenfalls ausweichenden
Antwort von verschiedenen Kulturen und Geschichtsschreibungen konnte
er wahrscheinlich nicht so viel abgewinnen. Da sieht man leider, dass
selbst vermeintlich junge, gut ausgebildete und hilfsbereite Inder
sich als ignorante, Minderheiten diskriminierende Ehebrecher
entpuppen. Aber ich will hier nicht von einem Fall auf alle Inder
urteilen.

PS: Mein Host in Bombay war sehr nett. Darueber schreibe ich aber mehr in meinem naechsten post.

Mittwoch, 20. Februar 2013

Von Goa nach Hampi

Hallo ihr Lieben,

Ich bin nun seit einer Woche in Indien und habe schon viel erlebt.

Letzten Mittwoch kam ich nach einer kurzen Nacht im Flugzeug um 4 Uhr
morgens am Flughafen in Goa an. Zufällig hab ich am Flughafen zwei
andere Deutsche kennen gelernt, die in den gleichen Ort wie ich
wollten: Benaulim. Also teilten wir uns die taxifahrt und irgendwie
hab ich dann auch mein Hostel am Strand gefunden. Leider war die Unterkunft nicht
so gut wie im Internet beschrieben und nach einer schlaflosen Nacht,
in der zuerst lautstark Musik zu hören war, dann Hundegejaule und am
Ende Krähengeschreihe, hab ich meine Unterkunft gewechselt. Zum Glück
hab ich am ersten Tag einen Kellner in einem Restaurant am
Strand kennen gelernt, der mir dann eine andere Unterkunft vermittelt
hat. Ich habe mich also von einer schäbigen bleibe für 6 Euro auf ein
nettes Appartement mit eigener Küche für Ca. 8 Euro verbessern können.

Auch sonst ist es recht günstig hier: ein gutes Abendessen am Strand
bekommt man für weniger als 5 Euro. Man kann bei fast allen Sachen handeln, leider
bin ich total schlecht darin. Manchmal versuche ich es, aber wirklich
funktionieren tut es nicht. Nun ja, viel gekauft habe ich bisher sowieso nicht
und bei so kleinen Beträgen wie 5 Euro ist mir der Aufwand um 50 Cent
zu handeln doch zu groß.

Das indische Essen schmeckt mir sehr gut und meinem Magen scheint es
bisher auch recht gut zu gefallen. Also noch keine Probleme wie vorher
befürchtet. Jedoch macht meine Haut Probleme. Ich habe leider meine
Sonnenallergie vergessen, die in Indien viel stärker zur Geltung kommt
als in Deutschland. Ausserdem wurde ich von Ameisen gebissen.
Zumindest glaube ich das, da ich welche auf meinem Kopfkissen gefunden
habe. Egal was es ist, ich sehe zurzeit aus wie ein kleiner
Streuselkuchen und hoffe sehr, dass meie Haut sich bald wieder beruhigt.

Auch wenn ich alleine Reise, lange allein war ich bisher nicht. Ich
habe mir in Benaulim ein "Stammrestaurant" ausgesucht, wo ich oft verschiedne Gäste kennen gelernt habe. Mit einem der Kellner habe
ich mich, wie bereits beschrieben, auch gut verstanden und er hat mir
oft geholfen. Am Freitag sind wir auf einem Motorrad in die Hauptstadt
von Goa, Panjim, gefahren und haben uns mit einem anderen Inder, den
ich durch die Webseite couchsurfing kenne, getroffen. Am Samstag habe
ich mir dann selbst einen Roller ausgeliehen und hab damit einen
Ausflug zu anderen Stränden in der Gegend gemacht. Da ich das erste
mal Roller gefahren bin, war es am Anfang ein bisschen anstrengend
aber am Ende ging es voll gut und ich hatte keine Probleme, selbst als
ich in der zweitgrößten Stadt der Gegend gefahren bin.

Generell sind die Inder sehr nett hier. Natürlich wollen viele, dass
man Sachen von ihnen kauft und kommen, um irgendwas anzubieten. Und alle fragen einen
wie man heisst und wo man herkommt. Manchmal unterhalte ich mich mit
den Leuten und erfahre dann sehr interessante Dinge über ihr Leben
oder die indische Kultur. Sehr oft kommen auch Leute zu mir und wollen
ein Foto mit mir machen. Ich weiss gar nicht mehr wie oft ich schon
neben fremden Menschen abgelichtet wurde.

Am Sonntag bin ich dann weiter gefahren mit dem Zug nach Hampi. Hampi
ist ein alter Ort voller Ruinen und ca 7 Zugstunden von goa entfernt. Auf
der Zufahrt habe ich eine Kanadierin, Jennifer, kennen gelernt und wir
haben uns dann zusammen eine Unterkunft in Hampi gesucht. Man lernt
also ziemlich schnell verschiedene Leute kennen, kann aber immer
auch das machen, was man möchte.

Das Resume meiner ersten Woche fällt positiv aus. Sobald sich meine
Haut beruhigt hat, wird alles noch viel beser aussehen.

Am Ende will ich noch vom erinnerungswürdigsten Erlebnis des heutigen
Tages erzählen. Ich warne alle hygienisch empfindlichen Leute, es wird
eklig. Und zwar hatte ich gerade unser Hostel verlassen und sehe
Jennifer auf der Strasse auf einem Stuhl sitzend mit einem Inder
neben ihr. Beim Näherkommen sehe ich dann, dass der Inder ihr den
Ohrenschmalz mit irgendwelchen pinzetten entfernt. Angewidert vom
Anblick gehe ich ein Stück weg. Ein anderer Inder folgt mir und fängt
an, mir irgendwas zu zeigen. Ehe ich mich versehe, hat auch er schon
seine Ständchen in meinem Ohr und holt meinen ohrenschmalz raus und
streicht ihn auf seinem handrücken ab. Dann holt er zwei kleine
steinchen aus meinem rechten Ohr raus, die aber nicht hart sondern
bröselig sind. Ich glaube Ohrenschmalz ist das ekelhafteste, was aus
dem Körper kommen kann. Oder zumindest fällt mir gerade nichts
schlimmeres ein. 

Morgen geht es dann mit dem Nachtzug weiter nach Hyderabad. Dort wohnt Rajitha, eine Kommilitonin von mir. Ach ja, Fotos kann ich zurzeit leider nicht hochladen, vielleicht kann ich das bei Rajitha machen. 

Liebe Gruesse
Olga 



Montag, 11. Februar 2013

Auf zu neuen Abenteuern!

Hallo ihr Lieben,

So, ich dachte, ich hole meine verstaubten Blog mal wieder aus den Tiefen des Internets hervor, um von neuen Abenteuern zu berichten. Nicht dass ich zwischendurch nicht mehr gereist wäre, doch waren meine letzten Reisen nicht mehr so lang wie die letzte, von der hier berichtet wurde, meine Fahrt nach Kasachstan. Inzwischen hat sich vieles getan. Die Welt hat sich weiter gedreht, wir haben alle das Jahr 2012 überlebt und ich habe vor ein paar Wochen meine Masterarbeit abgegeben. 

Meine nächste große Reise steht unmittelbar vor mir: Indien. Obwohl zunächst anders geplant, mache ich mich alleine auf, dieses große und unbekannte Land zu erforschen. Viele Leute, Familie sowie Freunde, waren nicht sehr begeistert, als ich ihnen von meinem Plan erzählt habe. Um alle Interessierten und Besorgten auf dem Laufenden zu halten, habe ich mich entschieden, meinen Blog zu reaktivieren. Da ich viel durch Indien reisen werde, weiß ich noch nicht, wie oft ich hier zum posten kommen werde. Aber ich werde mich bemühen, regelmäßig über meinen Verbleib zu berichten. 

Geplant ist ohne irgendwelche Aufgaben und Verpflichtungen zu reisen. Ich wollte mal wieder einfach nur den Akt des Reisens genießen. Daher habe ich auch nur einen Hinflug nach Indien gebucht und mir das Datum meiner Rückkehr offen gehalten. Geplant ist ein Aufenthalt von 3 Monaten, bis ca Mitte Mai. Aber vielleicht komme ich auch schon früher wieder nach Deutschland, vielleicht fliege ich auch weiter in ein anderes Land, sollte es mir in Indien nicht gefallen und ich mich nicht wohl fühlen. 

Ich habe bisher schon die ersten Zugverbindungen gebucht, um sicher zu gehen, dass ich einen Platz bekomme und um nicht immer am Bahnhof warten zu müssen. Zur Veranschaulichung habe ich meine ungefähre Route auf einer Karte nachgemalt (Die Routen sind natürlich nur ungefähr gezeichnet. Ich weiß schließlich nicht genau, wo jeder Zug entlang fährt.) In grün ist der erste Trip eingezeichnet und in blau der zweite. 


Die Route für die ersten anderthalb Monate steht schon mehr oder weniger fest: Ich komme in Goa an, das ist eine der touristischen Regionen Indiens. Nach ein paar Tagen am Strand geht es weiter mit dem Zug nach Hampi, einer alten Tempelstätte. Von dort aus geht es wieder mit dem Zug weiter nach Hyderabad, wo Rajitha, eine Kommilitonin von mir, mit ihrer Familie wohnt. Nach wieder ein paar Tagen geht es nach Aurangabad. In der Nähe dieser Stadt gibt es alte Festungen und in Stein gehauene Städte. Von dort aus geht es dann für ein paar Tage nach Mumbai und dann wieder zurück nach Goa. Beim zweiten Goa Aufenthalt treffe ich mich mit Alex, meiner ehemaligen Mitbewohnerin aus Freiburg. 

Ab Goa geht auch meine zweite Reiseetappe los, weiter gen Süden nach Kerala und Tamil Nadu. Für diesen Abschnitt habe ich im Gegensatz zu den vorher detailliert beschriebenen Abschnitten noch keine genauen Pläne, was daher kommt, dass ich bisher nur den Flug von Goa nach Kochi in Kerala und dann von Chennai in Tamil Nadu nach Jaipur in Rajasthan gebucht habe. Beide Etappen sind ca 2 1/2 Wochen lang. Das heißt, ich fliege am 26. März nach Jaipur, um dort Holi, ein wichtiges indisches Fest zu feiern. 

So, genug der Beschreibungen. Morgen geht es endlich los. Ich bin gespannt und freue mich sehr! Freue mich aber auch von euch von ab und zu zu hören.

Montag, 26. Juli 2010

Eine kurze Zwischenmeldung

Hallo meine Lieben,

ich weiß, in der letzten Zeit war ich nicht sehr fleißig am schreiben. Das hat aber weniger mit meiner Schreibfaulheit als mit der wenigen Zeit, die ich dafür habe, zu tun - und natürlich einer gewissen Portion Unlust. Aber ich werde bald ein paar Texte reinstellen, denn ich habe hier viel erlebt.

Ich bin sehr viel außerhalb von Almaty unterwegs, sei es in den Bergen um Almaty herum oder in Dörfern oder in ganz anderen Teilen von Kasachstan. Es gefällt mir hier immer noch, obwohl ich meine Zeit ganz anders verbringe als in Moskau. Wann ich zurück komme, kann ich leider noch nicht sagen, das ändert sich immer mal wieder.

Fotos werde ich hier wohl auch eher nicht mehr reinstellen, der Aufwand auf dieser Seite ist einfach zu groß. Aber ich habe viele Fotos bei Facebook reingestellt, die könnt ihr euch angucken: http://www.facebook.com/?ref=logo#!/photos.php?id=776710121

Viele Grüße aus Almaty

Olga

Dienstag, 11. Mai 2010

Privet vsem!

Meine erste Woche in Almaty ist wie im Flug vergangen. Als ich am Sonntag, den 2. Mai, ankam, gab es ein verlängertes Wochenende und Montag war frei. Denn wenn hier ein Feiertag aufs Wochenende fällt, dann haben die Menschen am nächsten Arbeitstag auch frei. Ich konnte also am Montag erst mal ruhig meine Gegend und dann einen Teil der Innenstadt besichtigen. Erste Beobachtungen: Die Stadt ist sehr grün! Überall rahmen Bäume die Straßen und Parks gibt es ohne Ende. In der Stadt kann man sich relativ leicht zu Recht finden, da sie nach dem Schachbrettmuster aufgebaut sind. Leider hat sie keine richtige Altstadt, da nur wenige Gebäude älter als hundert Jahre alt sind. Die Menschen sind sehr nett und höflich. Sie versuchen einem zu helfen und sind sehr interessiert. Die Frauen sind sehr hübsch und sehr bunt und westlich gekleidet. Es scheint hier sogar genau die gleiche Mode, Leggins oder enge Hosen und längere Tops oder kurze Kleider, wie bei uns angesagt zu sein.

Die Arbeitsstelle gefällt mir auch. Es ist ein kleines Büro mit einem Team von ca. acht Mitarbeitern. Da es für alle zu wenig Platz gibt, wird noch ein Büroraum umgebaut und von der Organisation angemietet. Vieles verändert sich kurzfristig, so ist leider ein Teil meiner Aufgaben weggefallen. Außerdem gibt es wahrscheinlich Probleme mit dem Visa. Kurz bevor ich mein Visum bekommen habe, wurden die Visumsvorschriften geändert. Nun kann man sich mit einem Businessvisum maximal 120 Tage im Jahr im Land aufhalten, auch wenn man ein Jahresvisum hat. Für mich heißt es dann, dass ich vielleicht schon Ende August aus dem Land raus muss, obwohl mein Visum bis Mitte Oktober gültig ist. Was diese Reglementierung bewirken soll, versteh ich nicht, aber vielleicht kann meine Organisation extra Vereinbarungen mit den Behörden treffen. Mal schauen, was sich ergibt.

Von Donnerstag auf Freitag habe ich mit den anderen Praktikanten bereits einen Ausflug in das Projektgebiet gemacht. Wir haben Proben von Pflanzen und Käfern gesammelt und verschiedene Flächen untersucht. Außerdem haben wir in der Steppe gezeltet. Unser Fahrer hat Schaschlik gemacht und wir haben, wie es sich gehört, Wodka getrunken. Unzählige Toste hat unser Fahrer gemacht, von der internationalen Freundschaft über die Natur bis zu unserem Chef war alles dabei. Am Samstag war ich dann das erste Mal in den Bergen wandern. Ich habe hier Wanderlustige kennengelernt und vielleicht bin ich ja bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland zu einer richtigen Alpinisten geworden ;-) Am Sonntag war ich dann zuerst bei einem Origami-Kurs und danach im Zentrum bei einem Konzert für den 9. Mai. An dem Tag feiern die ehemaligen Sowjetstaaten den Sieg über Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Montag war ich dann wieder wandern, diesmal im Charyn Canyon, der dem Grand Canyon in den USA ähnlich ist.

In der ersten Woche habe ich mit drei weiteren Praktikanten aus Deutschland in einer Dreizimmerwohnung gewohnt. Da mir die Wohnverhältnisse in Moskau bereits bekannt waren, war ich über den Zustand der Wohnung, im Gegensatz zu den anderen drei Deutschen, nicht sehr schockiert. Würde ich in der Wohnung länger bleiben, hätte ich mir die Mühe gemacht, sie einmal ordentlich sauber zu machen. Doch da ich diese Woche sowieso umziehen muss, mach ich nichts. Meine Mitbewohner sind am Montag wieder nach Kirgisistan zurückgefahren, wo sich die Lage hoffentlich langfristig beruhigt hat. Bei der Wohnungssuche muss ich auf jeden Fall auf den westlichen Standard verzichten. Es gibt natürlich solche Wohnungen, die auf entweder ganz neu gebaut oder saniert worden sind, doch sind sie einfach zu teuer. Die Preise beginnen hier bei ca. 300$ warm, und das sind sprichwörtlich Rumpelkammern. Mir wurde gesagt, dass ich schon ca. 500$ bezahlen muss, aber ich hoffe, dass ich etwas Vernünftiges für 400$ finden kann. Außerdem werden kaum Wohnungen privat angeboten, sondern nur von Immobilienmaklern, die für jede Wohnungsbesichtigung 5$ und bei einem Mietvertrag 100$ verlangen!

So viel von meiner ersten Woche hier.

Viele Grüße an euch alle
Olga

Dienstag, 4. Mai 2010

Auf nach Almaty, Kasachstan!

Hallo!

ich bin nun endlich auf dem Weg nach Almaty. Da ich so lange nichts Richtiges zu tun hatte, kam mir die Zeit bis zur Abreise wie eine Unendlichkeit vor. Leider ist mir aufgefallen, dass je mehr ich fliege, desto weniger mag ich es. Die ganzen Kontrollen am Flughafen (Heute musste mein Notebook sogar einen Extratest in Form eines elektronischen Schnüffeltests bestehen!), das lange Warten am Flughafen, die trockene Luft im Flugzeug und der Druck auf meinen Ohren gefallen mir immer weniger. (Ja ich weiss, das ist Beschweren auf hohem Niveau;-)) Gerade sitze ich wieder auf einem Flughafen, diesmal in Istanbul, und nutze die Zeit, um euch etwas über Almaty zu erzählen. Natürlich sind diese Angaben wie immer ohne Gewähr von mir aus dem Kopf zusammengefasst. Sollten Fehler oder falsche Angaben gefunden werden, so könnt ihr mich gerne darauf aufmerksam machen.

Wie vielleicht einige von euch wissen werden, hieß Almaty früher Alma-Ata und war die Hauptstadt der Kasachischen SSR während der Sowjetzeit und bis 1997 die Hauptstadt des neuen unabhängigen Kasachstan. Der Name Alma-Ata heißt auf kasachisch so etwas wie Großvaters Apfel und hängt damit zusammen, dass in der Region viele Apfelbäume wachsen. Anscheinend wurde kürzlich durch genetische Tests sogar bewiesen, dass der Apfelbaum aus diesem Gebiet stammt. Leider mussten viele Apfelhaine der Stadt großen Bauvorhaben weichen.

Die Stadt liegt in einem Tal zwischen mehreren Gebirgsketten, ähnlich Mexiko-Stadt. Aufgrund der natürlichen Grenzen kann sie sich nicht viel weiter ausbreiten. Die Stadt liegt in der Erdbebenzone und wurde mehrmals von schweren Erdbeben, das letzte Mal in den 1970er Jahren, erschüttert. Außerdem bildet sich in der Stadt schnell Smog. Geographisch liegt Almaty in der Peripherie Kasachstans und grenzt fast an China und Kirgisistan an. Dies waren wichtige Gründe für die Verlegung der Hauptstadt in den nördlichen Teil des Landes. Die neue Hauptstadt heißt Astana (auf kasachisch heißt das einfach ‚Hauptstadt‘) und war früher unter den Namen Zelinograd und Akmola bekannt. Auch wenn Almaty nun nicht mehr die Hauptstadt ist, ist es dennoch ein wichtiges kulturelles und vor allem wirtschaftliches Zentrum des Landes. Nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans ist die Millionenstadt Almaty die zweitgrößte Metropole Zentralasiens. Deshalb ist es auch nicht sehr einfach, mit kleinem Geldbeutel in der Stadt zu leben. Viele Kasachen können es sich nicht leisten, in Zentrumsnähe zu leben und müssen täglich weite Strecken pendeln. Es gibt sogar Menschen, die wöchentlich aus dem Norden Kasachstans nach Almaty zur Arbeit fliegen und am Wochenende zurück.

Es gibt en großes Freizeitangebot in und um Almaty herum. Zum einen sind da natürlich die Berge, die zu vielen Wander- und Bergsteigtouren einladen. Nicht weit von Almaty entfernt fangen die Ausläufer des Pamirgebirges und des Tien-Shan Gebirges an, deren Spitzen 5000 Meter erreichen. Unweit der Stadt gibt es sogar eine Schlittschuhbahn in den Bergen, die das ganze Jahr in Betrieb ist. Außerdem gibt es einen großen See in Almaty und einen noch größeren See, den in Kirgisistan liegenden Issykul, ein paar Stunden entfernt. Der Issykul ist einer der größten und höchsten Bergseen der Welt und ein beliebtes Ausflugsziel der Bürger Almatys. Nach Norden und Westen hin erstecken sich bereits die weiten Steppen und Halbwüsten Kasachstans. In Almaty gibt es viele verschiedene ausländische Gemeinden, die die kulturelle Vielfalt der Stadt prägen.

Gegründet wurde Almaty erst Mitte des 19. Jahrhunderts an der damals süd-östlichen Grenze des Zarenreiches und diente als Handels- und Sicherungsposten. Die Kasachen waren damals noch ein Nomadenvolk, das mit seinen großen Herden von Schafen, Rindern und Pferden auf den weiten Steppen Kasachstans lebte. Erst nach der Machtergreifung der Bolschewiken und der Kollektivierung der Bauern wurden die Kasachen sesshaft gemacht. Dies ging einher mit großen Hungersnöten in den 1930er Jahren in der kasachischen Bevölkerung, die große Probleme bei der Umstellung von der Viehzucht auf die Landwirtschaft hatten. Damals begann auch die Russifizierung aller unter der sowjetischen Herrschaft lebenden Völker, so auch der Kasachen, mit der die kulturellen und vor allem die sprachlichen Besonderheiten ausgewischt werden sollten.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Nationen nach Kasachstan verbannt, wodurch die bereits dezimierten Kasachen noch mehr an Bevölkerungsstärke verloren. In den folgenden Jahrzehnten bildeten die Kasachen in ihrer Republik sogar eine Minderheit. Kasachstan wurde das Land der Hundert Völker genannt, und wahrlich, es gab viele verschiede Ethnien, unter anderem Griechen, Koreaner und auch Deutsche. Viele Gruppen sind nach dem Zweiten Weltkrieg, als ihnen die Rückkehr endlich erlaubt wurde, in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Dennoch konnte sich der Anteil der Kasachen an der Gesamtbevölkerung erst zum Ende der Sowjetunion steigern.

Nachdem Kasachstan seine Unabhängigkeit erhalten hatte, wurde eine strenge Kasachisierung der Bevölkerung durch die Regierung angestrebt, mit der die unter den Russen unterdrückten Kasachen ihren Stolz und ihre Geschichte zurückerhalten sollten. Also mussten viele Menschen, Kasachen wie nicht Kasachen, eine neue Sprache lernen und die nicht-kasachischen Nationalitäten wurden vielen Diskriminierungen ausgesetzt. Daraufhin verließen viele Bevölkerungsgruppen das Land, unter ihnen sehr viele Russen und auch ca. 800 000 der zum Ende der Sowjetunion 1 Millionen Menschen zählenden deutschen Bevölkerungsgruppe.

Das war die Informationsrunde. In den naechsten Wochen werde ich euch bestimmt mehr vom Leben hier erzaehlen koennen.

Liebe Gruesse
Olga