Mittwoch, 20. Februar 2013

Von Goa nach Hampi

Hallo ihr Lieben,

Ich bin nun seit einer Woche in Indien und habe schon viel erlebt.

Letzten Mittwoch kam ich nach einer kurzen Nacht im Flugzeug um 4 Uhr
morgens am Flughafen in Goa an. Zufällig hab ich am Flughafen zwei
andere Deutsche kennen gelernt, die in den gleichen Ort wie ich
wollten: Benaulim. Also teilten wir uns die taxifahrt und irgendwie
hab ich dann auch mein Hostel am Strand gefunden. Leider war die Unterkunft nicht
so gut wie im Internet beschrieben und nach einer schlaflosen Nacht,
in der zuerst lautstark Musik zu hören war, dann Hundegejaule und am
Ende Krähengeschreihe, hab ich meine Unterkunft gewechselt. Zum Glück
hab ich am ersten Tag einen Kellner in einem Restaurant am
Strand kennen gelernt, der mir dann eine andere Unterkunft vermittelt
hat. Ich habe mich also von einer schäbigen bleibe für 6 Euro auf ein
nettes Appartement mit eigener Küche für Ca. 8 Euro verbessern können.

Auch sonst ist es recht günstig hier: ein gutes Abendessen am Strand
bekommt man für weniger als 5 Euro. Man kann bei fast allen Sachen handeln, leider
bin ich total schlecht darin. Manchmal versuche ich es, aber wirklich
funktionieren tut es nicht. Nun ja, viel gekauft habe ich bisher sowieso nicht
und bei so kleinen Beträgen wie 5 Euro ist mir der Aufwand um 50 Cent
zu handeln doch zu groß.

Das indische Essen schmeckt mir sehr gut und meinem Magen scheint es
bisher auch recht gut zu gefallen. Also noch keine Probleme wie vorher
befürchtet. Jedoch macht meine Haut Probleme. Ich habe leider meine
Sonnenallergie vergessen, die in Indien viel stärker zur Geltung kommt
als in Deutschland. Ausserdem wurde ich von Ameisen gebissen.
Zumindest glaube ich das, da ich welche auf meinem Kopfkissen gefunden
habe. Egal was es ist, ich sehe zurzeit aus wie ein kleiner
Streuselkuchen und hoffe sehr, dass meie Haut sich bald wieder beruhigt.

Auch wenn ich alleine Reise, lange allein war ich bisher nicht. Ich
habe mir in Benaulim ein "Stammrestaurant" ausgesucht, wo ich oft verschiedne Gäste kennen gelernt habe. Mit einem der Kellner habe
ich mich, wie bereits beschrieben, auch gut verstanden und er hat mir
oft geholfen. Am Freitag sind wir auf einem Motorrad in die Hauptstadt
von Goa, Panjim, gefahren und haben uns mit einem anderen Inder, den
ich durch die Webseite couchsurfing kenne, getroffen. Am Samstag habe
ich mir dann selbst einen Roller ausgeliehen und hab damit einen
Ausflug zu anderen Stränden in der Gegend gemacht. Da ich das erste
mal Roller gefahren bin, war es am Anfang ein bisschen anstrengend
aber am Ende ging es voll gut und ich hatte keine Probleme, selbst als
ich in der zweitgrößten Stadt der Gegend gefahren bin.

Generell sind die Inder sehr nett hier. Natürlich wollen viele, dass
man Sachen von ihnen kauft und kommen, um irgendwas anzubieten. Und alle fragen einen
wie man heisst und wo man herkommt. Manchmal unterhalte ich mich mit
den Leuten und erfahre dann sehr interessante Dinge über ihr Leben
oder die indische Kultur. Sehr oft kommen auch Leute zu mir und wollen
ein Foto mit mir machen. Ich weiss gar nicht mehr wie oft ich schon
neben fremden Menschen abgelichtet wurde.

Am Sonntag bin ich dann weiter gefahren mit dem Zug nach Hampi. Hampi
ist ein alter Ort voller Ruinen und ca 7 Zugstunden von goa entfernt. Auf
der Zufahrt habe ich eine Kanadierin, Jennifer, kennen gelernt und wir
haben uns dann zusammen eine Unterkunft in Hampi gesucht. Man lernt
also ziemlich schnell verschiedene Leute kennen, kann aber immer
auch das machen, was man möchte.

Das Resume meiner ersten Woche fällt positiv aus. Sobald sich meine
Haut beruhigt hat, wird alles noch viel beser aussehen.

Am Ende will ich noch vom erinnerungswürdigsten Erlebnis des heutigen
Tages erzählen. Ich warne alle hygienisch empfindlichen Leute, es wird
eklig. Und zwar hatte ich gerade unser Hostel verlassen und sehe
Jennifer auf der Strasse auf einem Stuhl sitzend mit einem Inder
neben ihr. Beim Näherkommen sehe ich dann, dass der Inder ihr den
Ohrenschmalz mit irgendwelchen pinzetten entfernt. Angewidert vom
Anblick gehe ich ein Stück weg. Ein anderer Inder folgt mir und fängt
an, mir irgendwas zu zeigen. Ehe ich mich versehe, hat auch er schon
seine Ständchen in meinem Ohr und holt meinen ohrenschmalz raus und
streicht ihn auf seinem handrücken ab. Dann holt er zwei kleine
steinchen aus meinem rechten Ohr raus, die aber nicht hart sondern
bröselig sind. Ich glaube Ohrenschmalz ist das ekelhafteste, was aus
dem Körper kommen kann. Oder zumindest fällt mir gerade nichts
schlimmeres ein. 

Morgen geht es dann mit dem Nachtzug weiter nach Hyderabad. Dort wohnt Rajitha, eine Kommilitonin von mir. Ach ja, Fotos kann ich zurzeit leider nicht hochladen, vielleicht kann ich das bei Rajitha machen. 

Liebe Gruesse
Olga 



Montag, 11. Februar 2013

Auf zu neuen Abenteuern!

Hallo ihr Lieben,

So, ich dachte, ich hole meine verstaubten Blog mal wieder aus den Tiefen des Internets hervor, um von neuen Abenteuern zu berichten. Nicht dass ich zwischendurch nicht mehr gereist wäre, doch waren meine letzten Reisen nicht mehr so lang wie die letzte, von der hier berichtet wurde, meine Fahrt nach Kasachstan. Inzwischen hat sich vieles getan. Die Welt hat sich weiter gedreht, wir haben alle das Jahr 2012 überlebt und ich habe vor ein paar Wochen meine Masterarbeit abgegeben. 

Meine nächste große Reise steht unmittelbar vor mir: Indien. Obwohl zunächst anders geplant, mache ich mich alleine auf, dieses große und unbekannte Land zu erforschen. Viele Leute, Familie sowie Freunde, waren nicht sehr begeistert, als ich ihnen von meinem Plan erzählt habe. Um alle Interessierten und Besorgten auf dem Laufenden zu halten, habe ich mich entschieden, meinen Blog zu reaktivieren. Da ich viel durch Indien reisen werde, weiß ich noch nicht, wie oft ich hier zum posten kommen werde. Aber ich werde mich bemühen, regelmäßig über meinen Verbleib zu berichten. 

Geplant ist ohne irgendwelche Aufgaben und Verpflichtungen zu reisen. Ich wollte mal wieder einfach nur den Akt des Reisens genießen. Daher habe ich auch nur einen Hinflug nach Indien gebucht und mir das Datum meiner Rückkehr offen gehalten. Geplant ist ein Aufenthalt von 3 Monaten, bis ca Mitte Mai. Aber vielleicht komme ich auch schon früher wieder nach Deutschland, vielleicht fliege ich auch weiter in ein anderes Land, sollte es mir in Indien nicht gefallen und ich mich nicht wohl fühlen. 

Ich habe bisher schon die ersten Zugverbindungen gebucht, um sicher zu gehen, dass ich einen Platz bekomme und um nicht immer am Bahnhof warten zu müssen. Zur Veranschaulichung habe ich meine ungefähre Route auf einer Karte nachgemalt (Die Routen sind natürlich nur ungefähr gezeichnet. Ich weiß schließlich nicht genau, wo jeder Zug entlang fährt.) In grün ist der erste Trip eingezeichnet und in blau der zweite. 


Die Route für die ersten anderthalb Monate steht schon mehr oder weniger fest: Ich komme in Goa an, das ist eine der touristischen Regionen Indiens. Nach ein paar Tagen am Strand geht es weiter mit dem Zug nach Hampi, einer alten Tempelstätte. Von dort aus geht es wieder mit dem Zug weiter nach Hyderabad, wo Rajitha, eine Kommilitonin von mir, mit ihrer Familie wohnt. Nach wieder ein paar Tagen geht es nach Aurangabad. In der Nähe dieser Stadt gibt es alte Festungen und in Stein gehauene Städte. Von dort aus geht es dann für ein paar Tage nach Mumbai und dann wieder zurück nach Goa. Beim zweiten Goa Aufenthalt treffe ich mich mit Alex, meiner ehemaligen Mitbewohnerin aus Freiburg. 

Ab Goa geht auch meine zweite Reiseetappe los, weiter gen Süden nach Kerala und Tamil Nadu. Für diesen Abschnitt habe ich im Gegensatz zu den vorher detailliert beschriebenen Abschnitten noch keine genauen Pläne, was daher kommt, dass ich bisher nur den Flug von Goa nach Kochi in Kerala und dann von Chennai in Tamil Nadu nach Jaipur in Rajasthan gebucht habe. Beide Etappen sind ca 2 1/2 Wochen lang. Das heißt, ich fliege am 26. März nach Jaipur, um dort Holi, ein wichtiges indisches Fest zu feiern. 

So, genug der Beschreibungen. Morgen geht es endlich los. Ich bin gespannt und freue mich sehr! Freue mich aber auch von euch von ab und zu zu hören.

Montag, 26. Juli 2010

Eine kurze Zwischenmeldung

Hallo meine Lieben,

ich weiß, in der letzten Zeit war ich nicht sehr fleißig am schreiben. Das hat aber weniger mit meiner Schreibfaulheit als mit der wenigen Zeit, die ich dafür habe, zu tun - und natürlich einer gewissen Portion Unlust. Aber ich werde bald ein paar Texte reinstellen, denn ich habe hier viel erlebt.

Ich bin sehr viel außerhalb von Almaty unterwegs, sei es in den Bergen um Almaty herum oder in Dörfern oder in ganz anderen Teilen von Kasachstan. Es gefällt mir hier immer noch, obwohl ich meine Zeit ganz anders verbringe als in Moskau. Wann ich zurück komme, kann ich leider noch nicht sagen, das ändert sich immer mal wieder.

Fotos werde ich hier wohl auch eher nicht mehr reinstellen, der Aufwand auf dieser Seite ist einfach zu groß. Aber ich habe viele Fotos bei Facebook reingestellt, die könnt ihr euch angucken: http://www.facebook.com/?ref=logo#!/photos.php?id=776710121

Viele Grüße aus Almaty

Olga

Dienstag, 11. Mai 2010

Privet vsem!

Meine erste Woche in Almaty ist wie im Flug vergangen. Als ich am Sonntag, den 2. Mai, ankam, gab es ein verlängertes Wochenende und Montag war frei. Denn wenn hier ein Feiertag aufs Wochenende fällt, dann haben die Menschen am nächsten Arbeitstag auch frei. Ich konnte also am Montag erst mal ruhig meine Gegend und dann einen Teil der Innenstadt besichtigen. Erste Beobachtungen: Die Stadt ist sehr grün! Überall rahmen Bäume die Straßen und Parks gibt es ohne Ende. In der Stadt kann man sich relativ leicht zu Recht finden, da sie nach dem Schachbrettmuster aufgebaut sind. Leider hat sie keine richtige Altstadt, da nur wenige Gebäude älter als hundert Jahre alt sind. Die Menschen sind sehr nett und höflich. Sie versuchen einem zu helfen und sind sehr interessiert. Die Frauen sind sehr hübsch und sehr bunt und westlich gekleidet. Es scheint hier sogar genau die gleiche Mode, Leggins oder enge Hosen und längere Tops oder kurze Kleider, wie bei uns angesagt zu sein.

Die Arbeitsstelle gefällt mir auch. Es ist ein kleines Büro mit einem Team von ca. acht Mitarbeitern. Da es für alle zu wenig Platz gibt, wird noch ein Büroraum umgebaut und von der Organisation angemietet. Vieles verändert sich kurzfristig, so ist leider ein Teil meiner Aufgaben weggefallen. Außerdem gibt es wahrscheinlich Probleme mit dem Visa. Kurz bevor ich mein Visum bekommen habe, wurden die Visumsvorschriften geändert. Nun kann man sich mit einem Businessvisum maximal 120 Tage im Jahr im Land aufhalten, auch wenn man ein Jahresvisum hat. Für mich heißt es dann, dass ich vielleicht schon Ende August aus dem Land raus muss, obwohl mein Visum bis Mitte Oktober gültig ist. Was diese Reglementierung bewirken soll, versteh ich nicht, aber vielleicht kann meine Organisation extra Vereinbarungen mit den Behörden treffen. Mal schauen, was sich ergibt.

Von Donnerstag auf Freitag habe ich mit den anderen Praktikanten bereits einen Ausflug in das Projektgebiet gemacht. Wir haben Proben von Pflanzen und Käfern gesammelt und verschiedene Flächen untersucht. Außerdem haben wir in der Steppe gezeltet. Unser Fahrer hat Schaschlik gemacht und wir haben, wie es sich gehört, Wodka getrunken. Unzählige Toste hat unser Fahrer gemacht, von der internationalen Freundschaft über die Natur bis zu unserem Chef war alles dabei. Am Samstag war ich dann das erste Mal in den Bergen wandern. Ich habe hier Wanderlustige kennengelernt und vielleicht bin ich ja bis zu meiner Rückkehr nach Deutschland zu einer richtigen Alpinisten geworden ;-) Am Sonntag war ich dann zuerst bei einem Origami-Kurs und danach im Zentrum bei einem Konzert für den 9. Mai. An dem Tag feiern die ehemaligen Sowjetstaaten den Sieg über Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Montag war ich dann wieder wandern, diesmal im Charyn Canyon, der dem Grand Canyon in den USA ähnlich ist.

In der ersten Woche habe ich mit drei weiteren Praktikanten aus Deutschland in einer Dreizimmerwohnung gewohnt. Da mir die Wohnverhältnisse in Moskau bereits bekannt waren, war ich über den Zustand der Wohnung, im Gegensatz zu den anderen drei Deutschen, nicht sehr schockiert. Würde ich in der Wohnung länger bleiben, hätte ich mir die Mühe gemacht, sie einmal ordentlich sauber zu machen. Doch da ich diese Woche sowieso umziehen muss, mach ich nichts. Meine Mitbewohner sind am Montag wieder nach Kirgisistan zurückgefahren, wo sich die Lage hoffentlich langfristig beruhigt hat. Bei der Wohnungssuche muss ich auf jeden Fall auf den westlichen Standard verzichten. Es gibt natürlich solche Wohnungen, die auf entweder ganz neu gebaut oder saniert worden sind, doch sind sie einfach zu teuer. Die Preise beginnen hier bei ca. 300$ warm, und das sind sprichwörtlich Rumpelkammern. Mir wurde gesagt, dass ich schon ca. 500$ bezahlen muss, aber ich hoffe, dass ich etwas Vernünftiges für 400$ finden kann. Außerdem werden kaum Wohnungen privat angeboten, sondern nur von Immobilienmaklern, die für jede Wohnungsbesichtigung 5$ und bei einem Mietvertrag 100$ verlangen!

So viel von meiner ersten Woche hier.

Viele Grüße an euch alle
Olga

Dienstag, 4. Mai 2010

Auf nach Almaty, Kasachstan!

Hallo!

ich bin nun endlich auf dem Weg nach Almaty. Da ich so lange nichts Richtiges zu tun hatte, kam mir die Zeit bis zur Abreise wie eine Unendlichkeit vor. Leider ist mir aufgefallen, dass je mehr ich fliege, desto weniger mag ich es. Die ganzen Kontrollen am Flughafen (Heute musste mein Notebook sogar einen Extratest in Form eines elektronischen Schnüffeltests bestehen!), das lange Warten am Flughafen, die trockene Luft im Flugzeug und der Druck auf meinen Ohren gefallen mir immer weniger. (Ja ich weiss, das ist Beschweren auf hohem Niveau;-)) Gerade sitze ich wieder auf einem Flughafen, diesmal in Istanbul, und nutze die Zeit, um euch etwas über Almaty zu erzählen. Natürlich sind diese Angaben wie immer ohne Gewähr von mir aus dem Kopf zusammengefasst. Sollten Fehler oder falsche Angaben gefunden werden, so könnt ihr mich gerne darauf aufmerksam machen.

Wie vielleicht einige von euch wissen werden, hieß Almaty früher Alma-Ata und war die Hauptstadt der Kasachischen SSR während der Sowjetzeit und bis 1997 die Hauptstadt des neuen unabhängigen Kasachstan. Der Name Alma-Ata heißt auf kasachisch so etwas wie Großvaters Apfel und hängt damit zusammen, dass in der Region viele Apfelbäume wachsen. Anscheinend wurde kürzlich durch genetische Tests sogar bewiesen, dass der Apfelbaum aus diesem Gebiet stammt. Leider mussten viele Apfelhaine der Stadt großen Bauvorhaben weichen.

Die Stadt liegt in einem Tal zwischen mehreren Gebirgsketten, ähnlich Mexiko-Stadt. Aufgrund der natürlichen Grenzen kann sie sich nicht viel weiter ausbreiten. Die Stadt liegt in der Erdbebenzone und wurde mehrmals von schweren Erdbeben, das letzte Mal in den 1970er Jahren, erschüttert. Außerdem bildet sich in der Stadt schnell Smog. Geographisch liegt Almaty in der Peripherie Kasachstans und grenzt fast an China und Kirgisistan an. Dies waren wichtige Gründe für die Verlegung der Hauptstadt in den nördlichen Teil des Landes. Die neue Hauptstadt heißt Astana (auf kasachisch heißt das einfach ‚Hauptstadt‘) und war früher unter den Namen Zelinograd und Akmola bekannt. Auch wenn Almaty nun nicht mehr die Hauptstadt ist, ist es dennoch ein wichtiges kulturelles und vor allem wirtschaftliches Zentrum des Landes. Nach Taschkent, der Hauptstadt Usbekistans ist die Millionenstadt Almaty die zweitgrößte Metropole Zentralasiens. Deshalb ist es auch nicht sehr einfach, mit kleinem Geldbeutel in der Stadt zu leben. Viele Kasachen können es sich nicht leisten, in Zentrumsnähe zu leben und müssen täglich weite Strecken pendeln. Es gibt sogar Menschen, die wöchentlich aus dem Norden Kasachstans nach Almaty zur Arbeit fliegen und am Wochenende zurück.

Es gibt en großes Freizeitangebot in und um Almaty herum. Zum einen sind da natürlich die Berge, die zu vielen Wander- und Bergsteigtouren einladen. Nicht weit von Almaty entfernt fangen die Ausläufer des Pamirgebirges und des Tien-Shan Gebirges an, deren Spitzen 5000 Meter erreichen. Unweit der Stadt gibt es sogar eine Schlittschuhbahn in den Bergen, die das ganze Jahr in Betrieb ist. Außerdem gibt es einen großen See in Almaty und einen noch größeren See, den in Kirgisistan liegenden Issykul, ein paar Stunden entfernt. Der Issykul ist einer der größten und höchsten Bergseen der Welt und ein beliebtes Ausflugsziel der Bürger Almatys. Nach Norden und Westen hin erstecken sich bereits die weiten Steppen und Halbwüsten Kasachstans. In Almaty gibt es viele verschiedene ausländische Gemeinden, die die kulturelle Vielfalt der Stadt prägen.

Gegründet wurde Almaty erst Mitte des 19. Jahrhunderts an der damals süd-östlichen Grenze des Zarenreiches und diente als Handels- und Sicherungsposten. Die Kasachen waren damals noch ein Nomadenvolk, das mit seinen großen Herden von Schafen, Rindern und Pferden auf den weiten Steppen Kasachstans lebte. Erst nach der Machtergreifung der Bolschewiken und der Kollektivierung der Bauern wurden die Kasachen sesshaft gemacht. Dies ging einher mit großen Hungersnöten in den 1930er Jahren in der kasachischen Bevölkerung, die große Probleme bei der Umstellung von der Viehzucht auf die Landwirtschaft hatten. Damals begann auch die Russifizierung aller unter der sowjetischen Herrschaft lebenden Völker, so auch der Kasachen, mit der die kulturellen und vor allem die sprachlichen Besonderheiten ausgewischt werden sollten.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden viele Nationen nach Kasachstan verbannt, wodurch die bereits dezimierten Kasachen noch mehr an Bevölkerungsstärke verloren. In den folgenden Jahrzehnten bildeten die Kasachen in ihrer Republik sogar eine Minderheit. Kasachstan wurde das Land der Hundert Völker genannt, und wahrlich, es gab viele verschiede Ethnien, unter anderem Griechen, Koreaner und auch Deutsche. Viele Gruppen sind nach dem Zweiten Weltkrieg, als ihnen die Rückkehr endlich erlaubt wurde, in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Dennoch konnte sich der Anteil der Kasachen an der Gesamtbevölkerung erst zum Ende der Sowjetunion steigern.

Nachdem Kasachstan seine Unabhängigkeit erhalten hatte, wurde eine strenge Kasachisierung der Bevölkerung durch die Regierung angestrebt, mit der die unter den Russen unterdrückten Kasachen ihren Stolz und ihre Geschichte zurückerhalten sollten. Also mussten viele Menschen, Kasachen wie nicht Kasachen, eine neue Sprache lernen und die nicht-kasachischen Nationalitäten wurden vielen Diskriminierungen ausgesetzt. Daraufhin verließen viele Bevölkerungsgruppen das Land, unter ihnen sehr viele Russen und auch ca. 800 000 der zum Ende der Sowjetunion 1 Millionen Menschen zählenden deutschen Bevölkerungsgruppe.

Das war die Informationsrunde. In den naechsten Wochen werde ich euch bestimmt mehr vom Leben hier erzaehlen koennen.

Liebe Gruesse
Olga

Montag, 26. April 2010

Neue Reise, neue Geschichten

Hallo ihr Lieben,

ich fange wieder mit meinem Blog an, denn wie die meisten wissen werden, werde ich von Mai an für fünf Monate in Almaty, Kasachstan, sein. Ich werde als Praktikantin bei einem Projekt einer deutschen Entwicklungsgesellschaft helfen.

Auch in den letzten zwei Monaten war ich viel unterwegs, Freunde und Verwandte besuchen. Das Highlight, ein einwöchiger Urlaub in Alicante und Valencia, konnte aber aufgrund von natürlichen Gewalten nicht stattfinden. Ich hoffe nun, dass der isländische Vulcan und die Flugsicherungen sich mittlerweile beruhigt haben und ich keine Probleme bei meinem Flug haben werde.

Ein Problem war für mich, wie immer, die Visabeschaffung. Nachdem ich eine gefühlte Ewigkeit auf diebenötigte Einladung von meiner Firma warten musste, wurde sie mir Anfang des Monats als E-Mail Anhang und mit Fehlern geschickt. So bin ich spontan zur kasachischen Botschaft nach Berlin gefahren, um mögliche Probleme selbst lösen zu können. In der an der Berliner Peripherie gelegenen Botschaft erfuhr ich dann, dass es eine „diplomatische Note“ zwischen dem Auswärtigen Amt und der kasachischen Botschaft für die Mitarbeiter der Firma gibt, sodass sie keine Visagebühren (in meinem Fall wären das 160 Euro!) bezahlen müssen. Meine ganze Fahrt nach Berlin und zur Botschaft war folglich völlig sinnlos! Zum Glück hatte ich das Geld noch nicht überwiesen und konnte den firmeninternen Visa Service in Anspruch nehmen und so viel Geld sparen.

Nun bin ich dabei, die letzten Sachen vor meiner Reise zu regeln und mein Gepäckproblem zu lösen. Es nervt mich immer mehr, aus Kisten meinen Koffer packen zu müssen und ewig nach kleinen Dingen wie der Sonnenbrille suchen zu müssen! Und dann erst das Auswählen der passenden Kleidung! Ich brauche viel leichte Kleidung für einen sehr heißen Sommer. Diese Woche ist es tagsüber schon 25 und mehr Grad warm. Abends aber ist es mit 10 Grad doch zu kalt für die leichten Kleider. Dann brauche ich schicke Sachen für die Stadt und bequeme für das Land. Um alle Sachen mitnehmen zu können, müsste ich doppelt soviel Gepäck mitnehmen wie die von der Turkish Airlines erlaubten 20 Kilogramm. Schwere Entscheidungen stehen noch an.

Ehrlich gesagt bin ich froh, dass ich nun endlich für mehrere Monate einen festen Wohnort haben werde. Fünf Monate an einem Ort war ich seit März letzten Jahres nicht mehr. Ich will endlich nicht mehr aus Kisten packen müssen und meine Sachen in einen Schrank auspacken können. Ich will kaufen, kochen und essen können wann und was ich will. Ich will eine eigene Wohnung! Also wünscht mir Glück, dass ich schnell etwas Geeignetes in Almaty finde. Zunächst sollte ich in einer vierer-WG mit drei anderen deutschen Studenten wohnen. Sie sind auch Praktikanten bei einem Projekt der Firma in Kirgisistan, wurden aber kurzfristig wegen den Unruhen und dem Sturz des kirgisischen Präsidenten aus Kirgisistan nach Kasachstan geschickt. Nun scheint sich die Lage in dem Nachbarland Kasachstans zu beruhigen, sodass die drei Praktikanten bald wieder nach Kirgisistan zurückkehren werden. Und ich werde wohl eine Wohnung für mich suchen werden, obwohl das gar nicht mein Ding ist. Aber mal schauen, die Dinge ändern sich schnell in Kasachstan, wie ich bereits merken konnte

Das sind die ersten Infos, die ich habe. Ab nächster Woche gibt es bestimmt viel Neues und Spannendes zu berichten.

Viele Grüße,

Olga

Sonntag, 14. Februar 2010

Fotos von der Neujahrsreise!

Hallo ihr Lieben,

auch wenn ich schon seit über zwei Wochen in Deutschland bin und wahrscheinlich kein Mensch mehr den Blog verfolgt, wollte ich noch ein paar Fotos von meiner Neujahrsfahrt reinstellen. Es folgen also Fotos von Helsinki, Tallinn und Stockholm mit kurzen Beschriftungen.


Das bin ich mit Marina in Helsinki. Marina habe ich erst bei diesem Aufenthalt kennengelernt, mich aber sehr schnell und sehr gut mit ihr angefreundet. Deshalb ging wohl auch die Fahrt mit ihr fast reibungslos vonstatten :-)


Hier komme ich grad mit der Fähre in Helsinki an. Eigentlich entstand das Foto auf dem Rückweg von Stockholm, aber es passt besser zu der Erzählfolge.


Das hier ist die russisch-orthodoxe Kirche in Helsinki. Sie ist viel schöner, als die protestantischen Kirchen.


Eines der schönsten Fotos, die ich von Helsinki gemacht habe. Die Stadt hat sonst leider nicht viel Interessantes zu bieten. Außerdem war es für mich viel zu kalt, meine Handschuhe auszuziehen :-)


Das ist eines von Tallinns schönen alten Häusern. Die Altstadt ist wirklich schön, ich bin immer noch nur am schwärmen! Wie bei diesem Gebäude gab es in Tallinn oft Zugvorrichtungen, um waren in den Speicher nach oben zu ziehen.


Hier kann man die alte Mauer und die Wachtürme sehen. Tallinn hat die besterhaltenste Schutzmauer in ganz Europa.


Eiszapfen wie diese und noch größere gab es überall in Tallinn. Es sah wahnsinnig schön aus, aber war, wie ich gehört hatte, auch sehr gefährlich.


Hier kann man eine der vielen schönen Türen von Tallinn sehen. Ich selbst habe ca. ein halbes Dutzend davon fotografiert.


Das ist eine schöne Foto-Collage auf einen der wenigen nicht restaurierten Türen Tallinns.


Das hier ist die Skulptur des heiligen Georgs mit dem Drachen, die man in Stockholm mehrmals findet. Die Skulptur stellt einen interessanten Mythos zur Entstehung von Stockholm dar, ausführlicher hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaikirche_(Stockholm)


Auf diesem Foto könnt ihr den Wechsel der königlichen Garde sehen. Mann, die Männer taten mir bei der Kälte ganz schön leid!


Hier bin ich mit Marina in einem Museum, in dem eine alte Schulklasse nachgemacht wurde. Das ist ja fast wie in Kasachstan :-)


Und hier gibt es noch einen Blick auf Stockholm bei Nacht.

So, ich hoffe, die Fotos gefallen euch, auch wenn ich sie etwas spät reingestellt habe.

Viele Grüße aus Passau,
Olga