Sonntag, 17. Januar 2010

Visuelle Darstellung meiner Reise

Ein weiteres Hallo an euch!

Ich bin nun fleißig am Schreiben an euch. Diesmal will ich ein paar Fotos hochladen, damit ihr nicht nur was lesen müsst.


Das bin ich und zwei anderen Praktikanten der Kammer. Wir hatten auf einer Veranstaltung der Kammer geholfen und uns dann dafür belohnt :-)


Das sind Veronicka, mit der ich mich bei meinem letzten Praktikum angefreundet habe, und ihr Freund, Andrej.


Das bin ich mit dem Kreml und dem Roten Platz als Hintergrund.


Das bin ich mit der größten Glocke der Welt, der eine Ecke fehlt.


Und das hier ist die größte Kanone der Welt, die aber niemals benutzt wurde. Beide Sachen habe ich im Kreml gesehen, der insgesamt wirklich interessant ist!


Das ist ein Bauspiel, dass wir mit Veronicka und Andrej zusammen gespielt haben. Es macht wirklich viel Spaß :-)


Alle sind sehr konzentriert...


Das war am Silvesterabend. Leider ist Silvester in Moskau nicht so spektakulär, wie erwartet. Vor allem wenn man nicht viel Geld für ein Restaurant oder eine Disco ausgeben wollte. Aber darüber hab ich ja schon genug erzählt.


Hier bin ich wieder auf einer Hausparty. Es ist immer unglaublich, wie viele Leute in so kleine Wohnungen passen können! Das Motto der Party waren Hüte, aber es war so warm, dass bald alle ihre Hüte abgenommen haben!


Das ist Angela. Sie hat auch in Passau Kuwi studiert, dann Internationale Beziehungen in Berlin und arbeitet nun für die gtz in Moskau, wo wie uns kennengelernt haben.


Zwei Bekannte aus Moskau. Der Linke ist ein Kasache, die Rechte ist Russin, die bald nach Istanbul ziehen wird.


Rechts ist ein Freund, den ich auch schon von meinem vorherigen Aufenthalt kannte.


Das bin ich mit Karl, der mal eine Nacht mit seinen Freund in Passau übernachtet hat. Ich habe ihn zufällig in Moskau wiedergefunden!


Ein Teil der Leute von der Party.


Hier war ich mit Freunden Sushi essen. Sushi ist, glaub ich, das neue Nationalgericht der Russen. Zumindest in Moskau gibt es Sushi an fast jeder Ecke!


Das Foto entstand am letzten Abend. Wir waren insgesamt ca. 15 Leute, war sehr schön!


Das bin ich mit Tanja. Sie kommt aus Krasnojarsk, wir haben uns aber in Passau kennengelernt, als sie dort ein Auslandssemester gemacht hat. In Moskau haben wir uns leider erst spät wiedergetroffen. War aber trotzdem toll!


Zum Schluss noch ein Foto von der Moskauer Metro zur Rush Hour!

Nächstes Mal lade ich noch ein paar Fotos von der Neujahrsfahrt hoch.

Liebe Grüße

Olga

Samstag, 16. Januar 2010

Neujahrsfahrt nach Helsinki, Tallinn und Stockholm

Hallo meine Lieben Freunde,

wie bereits in meinem vorheringen Post erzähle ich nun etwas über meine Fahrt während der Neujahrsfeiertage, die in Russland vom 1. bis zum 10. Januar dauern. Ich glaube, das wird mein längster Bericht, und entschuldige mich schonmal im Voraus für die unvermeidliche Länge.

Meine Reise fing bereits am 1. Januar um halb 10 Uhr morgens mit dem Abfahren des Zuges von Moskau nach St. Petersburg an. Um wenigestens etws Schlaf zu bekommen, hatte ich mir überlegt, bei meiner Freundin, mit der ich Silvester gefeiert hatte, zu übernachten und dafür alle meine Sachen zu ihr schon mitgenommen. Kurz vor 24.00 Uhr ist mir dann doch noch eingefallen, dass meine Bankkarte nur noch bis zum Ende des Jahres 2009 gültig ist und meine neue Karte in einem Brief bei mir zu Hause liegt. So musste ich dann doch am Morgen des ersten Januars nach ca. drei Stunden Schlaf um halb sieben aufstehen und nach Hause fahren. Zu Hause angekommen, habe ich dann schnell meine Karte und andere vergessene Sachen eingepackt und bin dann wieder los zum Zug. Leider war mein Gehirn wohl zu müde für weiteres Denken, denn ich hatte vorher meinen warmen Mantel (ein geschenkter Pelzmantel) angezogen, als ich dann zu Hause, doch noch meine dünnere Jacke angezogen. Diesen Fehler habe ich dann auf der ganzen Reise bereut.

Dagegen war ich aber sehr froh, dass cih nochmal nach Hause gefahren bin wegen der Karte, denn als ich im Zug saß, rief mich meine Freundin etwas später an (Sie hatte einen anderen Zug genommen, denn sie kann im Sitzen nicht schlafen.) und fragte mich, ob ich genug Geld für die Reise hatte; auch für sie? Ihr ist nämlich beim Packen das Portemonnaie aus der Tasche gefallen, was sie aber leider erst auf der Fahrt bemerkt hatte. Ihre Eltern wollten ihr Geld per Western Union schicken, was aber nicht sofort ging, da in Moskau wegen den Feiertagen alles zu war. Ich musste also die Spendierhosen für sie bis zum 5. Januar in Tallinn anziehen, bis sie dann endlich Geld von ihren Eltern bekam.

Nach einer achtstündigen Zugafahrt kam ich dann in St. Petersburg an und traf mich mit Marina. Zusammen fuhren wir gleich weiter mit einem Omnisbus nach Helsinki. Auf dem Weg mussten wir ca. ein halbes Dutzend mal unseren Pass vorzeigen, manchmal einfach nur in die Luft halten, was ich als sehr sinnvoll empfand. In Helsniki kamen wir dann endlich um vier Uhr morgens des 2. Januars an und wurden zum Glück gleich vor die Tür von unserem Host gebracht. Auf der ganzen Reise hatten wir keine Zimmer gebucht, sondern sind bei Mitgliedern der Internet-Gruppe couchsurfing.org untergekommen. Unser Host war ein Finne, und hat alle stereotypischen Vorurteile erfüllt: blond, ruhig, ernst, nett und arbeitet als Ingenieur. Es war sehr angenehm bei ihm zu bleiben, aber leider hatte ich das Gefühl, nicht so viel über ihn erfahren zu haben.

Tagsüber bin ich dann mit Marina die Stadt erkunden gegangen. Die Warnungen von Freunden über die Stadt hatten sich leider bestätigt, Helsinki ist langweilig. Es ist eine geplante Stadt, man erkennt keinen gewachsenen alten Kern in ihr; Helsinki ist eine Miniaturausgabe von St. Petersburg. Der etwas negative Eindruck hängt vielleicht ein bisschen mit dem Wetter zusammen. Denn bei -18 Grad war mir selbst mit zwei Pullis unter meiner Jacke noch bitterkalt. So sind wir dann von einer Kirche zum Museum, zum Geschäft und dann zum Cafe gelaufen, um so wenig wie möglich der Kälte ausgesetzt zu sein. Am zweiten Tag haben wir uns dann mit einem weiteren couchsurfer getroffen, der uns die Stadt zeigen wollte. Nur leider kannte er sie selbst kaum, an allen Orten, die wir besucht hatten, war er noch nicht drinnen gewesen, obwohl er schon seit sechs Jahren dort lebt.

Am Abend des 3. Januars fuhren wir mit einer Fähre nach Tallinn. Dort kamen wir bei einer sehr netten und lustigen Amerikaner unter, der in Tallinn bei der amerikanischen Botschaft. Am ersten Abend bekamen wir Sangriareste (selbstgemacht und super lecker!) von seiner Neujahrsfeier und nachdem wir zusammen Pizza gemacht hatten, gingen wir noch in die Sauna. Am nächsten Tag gingen wir die Stadt erkunden. Tallinn ist einfach wunderschön! Ich hatte mich sofort in die kleinen, bunten, schiefen Häuser und die engen, verwinkelten Straßen verliebt! Da es für uns bei -4 Grad angenehm warm war, gingen wir frohen Mutes die Stadt erkunden. Das tolle an Tallinn ist neben dem alten Kern die größtenteils erhaltene Stadtmauer. Man kann sich so gut vorstellen,wie Tallinn vor ca. 500 Jahren ausgesehen hat, da noch so viel erhalten geblieben ist, toll!

Am Abend kochten wir wieder mit unserem Host, diesmal einen leckeren Fisch, und dann gingen wir auf eine Party, zu der mich eine Bekannte aus Moskau, die zu der Zeit auch in Tallinn war, eingeladen hatte. Dort ging ich wieder in die Sauna und konnte mich Esten aber auch mit anderen Menschen unterhalten. Einer der Partygäste war ein Balten-Deutscher, Erik (In den baltischen Ländern haben früher wie meine Vorfahren in Russland und in der Ukraine viele Deutsche gewohnt, die dann aber auch später deportiert wurden oder geflüchtet sind.), der uns angeboten hatte, am nächsten Tag eine Stadttour mit uns zu machen, was wir auch annahmen. Die Tour war echt super! So sollte man eine Stadt kennenlernen: durch kleine Gassen gehen und Geschichten über die Häuser und die Stadt erzählt bekommen. Danach gingen wir mit Erik und Freunden von ihm etwas essen. Später dann gingen wir auf unsere Fähre nach Stockholm, die die ganze Nahct durchfuhr.

In Stockholm kamen wir am Morgen des 6. Januars an. Dort fuhren wir zuerst zu unserem nächsten Host, einem älteren Schweden, der schon in den 70ern eine Jugendherberge leitete. Dann erkundeten wir die Altstadt und trafen uns später mit zwei Schulfreunden von mir. Rike studiert für ein Jahr an der Universität in Uppsala und Simon ist für ein Semester in Stockholm. Das Treffen war sehr schön, aber leider viel zu kurz, da die beiden nach ihrem Flug nach Uppsala weiter wollten.

Am nächsten Tag trafen wir uns zuerst mit einem Schweden und gingen in das Stockholmer Stadtmuseum, danach gingen wir wieder in der Altstadt und im Zentrum spazieren. Das coole an Stockholm ist, dass es aus mehreren einzelnen Inseln besteht, die mit vielen Brücken miteinander verbunden sind. Überall ist Wasser und viele Brücken führen darüber. Auch die Altstadt ist sehr schön und die bunten Gbäude erinnerten mich in ihrer Bauweise an die Lübecker Bauart. Leider war es auch in Stockholm mit ca. -12 Grad kalt genug, dass wir versuchten, so wenig wie möglich draußen zu gehen, und daher unsere Kirchentour weiter fortsetzten. Am letzten Tag in Stockholm war ich dann alleine unterwegs, da Marina weiter nach Berlin geflogen ist. Da war ich dann im Nobel Museum und bin am Abend mit der Fähre nach Helsinki gefahren. Leider ist Scandinavien wirklich teuer und ich dachte mir, wie günstig doch eigentlich alles in Deutschland ist. Eine Fahrt mit der Stockholmer Metro kostete vier Euro, eine Packung Reis mehr als anderthalb Euro!

Angekommen in Helsinki am Morgen des 9. Januars bin ich dann wieder mit dem Omnibus gleich weiter gefahren nach St. Petersburg wo ich dann wieder bei einem couchsurfer geblieben bin. Mit ihm war es sehr erfrischend. Wir gingen zuerst in seine Lieblingsbar und haben uns mit unbekannten Leuten über alles und nichts unterhalten. Danach haben wir auf dem Nachhauseweg Gespräche über Bildung und Lernen geführt. Am nächsten Morgen bin ich dann wieder mit dem Zug weiter und kam endlich am Abend des 10. Januars wieder in Moskau an.

Insgesamt war die Reise echt toll, aber kein Erholungsurlaub, allein des Wetters wegen. Nach Stockholm und Tallinn würde ich im Sommer auf jeden Fall fahren, Helsinki wohl eher nicht. So, ich hoffe, der Bericht war einigermaßen lesbar für euch und nicht zu langweilig.

Beste Grüße aus Moskau

Olga

Dienstag, 12. Januar 2010

Silverster

Privet!

Hoffentlich seid ihr alle gut ins neue Jahr gekommen und habt die ersten Versprechen noch nicht gebrochen. Ich werde mal versuchen, euch in aller Kürze die Ereignisse und meine Eindrücke von Silvester und meiner darauffolgenden abenteuerlichen Fahrt zu erzählen. Wie ihr mich und meine Abschweifkünste kennt, wird es ein sehr schwieriger Akt für mich werden. Deswegen mach ich eine räumliche Aufteilung zwischen Moskau und der Fahrt.

Ich hatte euch ja erzählt, dass die Russen unser (das Richtige;-)) Weihnachten nicht feiern, sondern Silvester als Jahreswendefeiertag und als Tag der Bescherung feiern. Die Gründe dafür ergeben sich aus ein paar geschichtlichen Besonderheiten. Wie ihr vielleicht wisst, hatte Russland noch sehr lange den alten, Julianischen Kalender, während wir schon den Gregorianischen benutzten. Der alte Kalender liegt zwei Wochen zu spät, deshalb fand z.B. die Oktoberrevolution eigentlich im November und nicht im Oktober statt. Geändert wurde der Kalender in Russland erst nach der Oktoberrevolution. Trotzdem feiern die Russen Weihnachten und Silvester nach dem Julianischen Kalender, also am 7. und am 13. Januar. Denn die russisch-orthodoxe Kirche (die sich als die einzig richtige sieht) hat ihre Regeln seit dem 14. Jahrhundert nicht mehr geändert, da sie sonst den Inhalt verändern würden. Deswegen wird bei den Orthodoxen die Bibel auch nicht übersetzt oder neuinterpretiert, und in den Messen werden keine Predigten gehalten und auch keine Instrumente gespielt, sondern es wird immer aus der Bibel vorgelesen und Musik kommt von den Chöre. Da nach der Machtergreifung der Kommunisten die Religionsausübung bald verboten wurde, wurde ein Ersatz für die wegfallenden Feiertage gesucht und die weihnachtlichen Zeremonien auf den Silvestertag gelegt. Dazu gehören auch der Weihnachtsbaum und die Geschenke. Daher ist für viele Russen der Neujahrsabend ein Familienfeiertag.

So, ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Überblick zur weihnachtlichen Kultur der Russen geben. Ich selber habe Silvester bei meiner Freundin Veronica, mit der ich letztes Jahr zusammen gearbeitet hatte, gefeiert. Wir waren eine kleine Gruppe von vier Leuten und zuerst haben wir noch zusammen gekocht, gegen 10 Uhr abends fingen wir mit dem Essen an und schauten uns weihnachtliche Zeichentrifilme aus der Sowjetzeit an. Als es dann endlich 12 Uhr schlug, war ich ehrlich gesagt enttäuscht. Es gab kein Feuerwerk draußen oder im Fernseher zu sehen, alles still außer ein paar einzelten Feuerwerkskörpern und nur Präsident Medvdev eine langweilige Neujahrsrede im Fernsehen haltend. Der Grund für das Ausbleiben des Feuerwers war ein Brand in einer Disko in der russischen Stadt Perm Anfang Dezember2009 , bei dem ca. 150 Menschen starben. Danach wurden alle Clubs in Russland und auch in Moskau überprüft und sogar viele geschlossen (Darunter leider auch einer meiner Lieblingsclubs hier in Moskau, ich hoffe er macht bald wieder auf.). Das Feuerwerk wurde deswegen auch verboten. Leider.
Nachdem wir auf das neue Jahr angestoßen hatten (zuvor muss man noch einen Tost auf das alte Jahr machen, damit das alte Jahr nicht böse wird und die schlechten Sachen des alten Jahres nicht mit in das neue kommen), spielten wir noch Spiele und ich bin schon um vier eingeschlafen. Das war mein Silvester.

Mir ist in Russland noch was aufgefallen. Ich habe ja schonmal geschrieben, dass die Russen große Angst vor Bakterien haben, vor allem vor der Grippe hatten hier alle Angst. Nun ist mir aufgefallen, dass Russen einfach mal alle Lebensmittel waschen. Alle: Zwiebeln, Knoblauch, Eier, Bananen... Und dann haben sie auch große Angst, dass Spülmittel, das Reinigungsmittel, das wir am meisten benutzen, giftig sein könnte, und waschen jede Seifenblase penibel ab. Zum Glück herrscht hier keine Wasserknappheit.

Und noch eine kleine Anekdote zum Schluss: In Russland gibt es einen Witz über die Stadt Karaganda, in der ich geboren wurde. Karaganda ist für die Russen sowas wie für uns Buxtehude. Die Leute sagen: Gde gde? V Karagande! (deutsch: Wo, wo? In Karaganda!) Das heißt also Nirgendwo. Eine meiner Freundinnen hat mir sogar erzählt, dass sie bis zu ihrem 16. Lebensjahr noch nicht einmal wusste, dass es diese Stadt wirklich gibt. Also denken manche Leute (einmal habe ich es sogar richtig gemerkt), dass ich sie verarsche, wenn ich sage, woher ich aus Kasachstan komme :-)

Also gut meine Freunde, es wird spät und die Nacht leider nicht länger.

Bis bald!

Olga

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Silvestergrüße aus Moskau

Hallo meine lieben Freunde,

heute schreibe ich euch am letzten Tag des Jahres. Morgen haben wir schon das Jahr 2010, das bestimmt noch besser wird als dieses Jahr! Aber die Silvesterfeier hier in Moskau wird meine letzte Feier in Kopenhagen wohl nicht übertreffen. Hier in Moskau ist es schwer, was gutes zu finden. Entweder die Leute gehen in einen Club oder in ein Restaurant und zahlen dann ca. 100 Euro und noch mehr dafür, oder sie treffen sich in ganz kleinem Kreise bei jemandem zu Hause. Etwas günstiges für mehrere Leute zu organisieren ist fast unmöglich. Ich werde also mit ein paar guten Freuden zu viert zu Hause feiern. Vom Roten Platz, auf den ich so gerne gehen wollte, haben mir alle abgeraten. Es sei zu voll dort mit Besoffenen (obwohl Alkohol strikt verboten ist und die Polizisten und Security Leute das streng überprüfen), viel zu eng und viel zu kalt. Wenn ich mir das Wetter heute angucken, (wir haben in den letzten 2 Tagen soo viel neuen Schnee bekommen und die Temperatur ist um 10 Grad gesunken) dann werde ich die Ratschläge doch lieber befolgen.

Letzte Woche war ja Weihanchten, da kam mich die Juliane aus Frankfurt besuchen. Wir waren irgendwie am meisten abends unterwegs, von den Sehenswürdigkeiten hat sie leider kaum etwas gesehen. An Heiligabend waren wir bei Bekannten und haben etws zusammen gekocht, was echt Spaß gemacht hat, leider wurde es zu später Stunde dann doch eher eine stinknormale Hausparty, nur mit dem Unterschied, dass hier in Moskau ganz schnell in einer Ein-Zimmer Wohung 30 Leute zusammen kommen. Stellt euch das mal in Deutschland vor :-) Dann ist Juliane am Samstag krank geworden und so waren wir das ganze Wochenende zu Hause. Ich habe sie ganz toll gepflegt, d.h. mit Medikamenten voll gepumpt, so dass sie schnell wieder gesund wurde. Sie hatte aber Angst, dass es ihr wieder schlechter gehen könnte und ist deswegen schon am Montag zurückgeflogen. Sonst gab es leider keine so schöne Weihnachststimmung in Moskau wie bei uns in Deutschland. Die Stadt ist einfach zu groß und zu hektisch. Die Leute versuchen seit Wochen, noch schnell alle Geschenke in den überfüllten Einkaufzentren zu kaufen, selbst um 12.00 Uhr nachts gibt es noch Staus hier auf den Straßen. Das Gefühl der Gemütlichkeit und der Ruhe, wie wir es immer in Deutschland haben, habe ich am meisten vermisst.

Die letzten Tage gingen dann wie im Flug vorbei, denn ich musste noch die letzten Einzelheiten vorbereiten für meine Neujahrsreise. Ich fahre ja am Morgen des 1.1.2010 gleich los nach Helsniki über St. Petersburg. Auf die bequemen Fahrten in Zug und Bus freue ich mich besonders. Nach Tallinn und Stockholm werde ich mit einer Fähre fahren. Für die Reise habe ich mir von einem Freund einen riesigen Rucksack (70 Liter Fassungsvermögen) ausgeliehen, aber leider sind meine Sachen anscheinend zu schwer oder zu groß. Ich muss mir wohl noch ein paar Komprimierungsmethoden ausdenken. Sonst bin ich aber vollends gerüstet mit viel Essen, neuer Musik, einem russischen Buch und Reisetipps aus dem Lonely Planet :-)

EIne klene Neuigkeit habe ich dann doch noch. Ich habe euch doch mal erzählt, dass ich einer deutschen Firma hier als Übersetzerin geholfen habe und ich danach gefragt wurde, ob ich nochmal was für sie machen würde. Nun habe ich eine Anfrage bekommen, ob ich denn nicht ihre Homepage von deutsch auf russisch übersetzen will, und ich habe zugestimmt :-) Hoffendlich entwickelt sich das noch weiter ;-)

Bereits gestern hatte ich mir schon überlegt, was ich dieses Jahr doch alles gemacht habe und wohin ich alles gereist bin - und es ist wirklich viel! Ich habe zum einen meinen Bachelor fast in der Tasche, dafür aber auch viel gemacht und einen guten Endspurt hingelegt. Zum anderen bin ich dieses Jahr unglaublich viel gereist. Ich war zu Beginn des Jahres in Kopenhagen, dann bin ich im südwestlichen Teil Deutschlands und nach Straßbourg in den Osterferien gefahren und dann war ich noch in Kairo. Außerdem habe ich drei Monate in Frankfurt gewohnt und nun bin ich in Moskau! Man denkt sich immer, dass man viel zu wenig rumkommt. Das denke ich mir zumindest immer, wenn ich an meine Freunde in Passau denke, die ja alle so reisewütig sind. Aber am wenn man es sich noch einmal überlegt, dann war es doch ganz schön viel. Und es geht schon mal gut los mit Skandinavien im nächsten Jahr!

Ich bin nun am Ende angelangt mit meinen Überlegungen, jedenfalls mit denen, die man hier in aller Kürze aufschreiben kann. Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch, dass ihr euch für das neue Jahr viel vornehmt und es auch zu erreichen versucht und hoffe auf ein beldiges Wiedersehen mit euch! Denn ich vermisse euch alle in Deutschland!

Liebste Grüße aus dem wieder verschneiten Moskau
Olga

Montag, 21. Dezember 2009

Aberglaube

Hallo ihr Lieben,

ich hatte ja mal gesagt, dass die Russen so abergläubisch sind. Nun will ich mich mal an der Verifizierung meiner Behauptung versuchen und euch eine kleine Auswahl von russischen abergläubischen Handlungen wieder geben.

• Man darf im Haus nicht pfeifen, das bringt nach Meinung der Russen Unglück.
• Man darf keine Bürste auf den Tisch legen, auch das bringt (wirtschaftliches) Unglück.
• Man darf nicht über einen auf dem Boden liegenden Menschen treten, sonst wird der Liegende aufhören zu wachsen. Ggf. muss man den gleichen Weg zurückgehen.
• Um sich vor einem Unglück, über das man gerade spricht, zu schützen, muss man drei Mal auf den Tisch klopfen und dabei zur Seite spucken. (Welche Seite weiß ich leider nicht mehr, aber bestimmt ist sie auch wichtig.)
• Wenn man das Haus verlässt und umkehren muss, um etwas im Haus Vergessenes zu holen, muss man beim erneuten Hinausgehen in den Spiegel schauen, der bei der Tür hängt, damit die Seele des Menschen nicht verloren geht.
• Um sich vor etwas Schlechtem, wie Krankheiten (in meinem Fall die Grippe) zu schützen, kann man geschnittenen Knoblauch in die Zimmer stellen. Ebenso soll Salz in der Nase den Menschen vor Krankheiten schützen.
• Hier kommt der Klassiker: Eine schwarze Katze, die von links nach rechts deinen Weg kreuzt, bringt Unglück. Man kann dieses Unglück abwenden, indem man Rückwärst geht und irgendwas aufsagt (Was genau, weiß ich nun leider auch wider nicht.)
• Man muss hier in Russland (früher ganz bestimmt, heute vielleicht etwas weniger) vor einer Reise sich zusammen setzen und ein paar Minuten schweigen. Damit soll eine sichere und gute Reise gesichert werden.
• Ich bin nicht sicher, ob das auch auf Aberglauben zurückzuführen ist, oder ob es einfach nur ein komischer Brauch ist: Die Menschen (vor allem die Kinder) ziehen anderen Geburtstagskindern an den Ohren so oft, wie sie alt werden. Beim letzten Mal wird am heftigsten gezogen. (Diesen Brauch gab es auch in meiner Familie, und auch mindestens bei einer meiner Freundinnen aus Moskau.)
• Man muss, wenn jemand einem anderem auf den Fuß tritt, diesem wieder auf den Fuß treten, und zwar drei Mal. Der Grund dafür konnte mir leider nicht verständlich gemacht werden, ich vermute, weil keiner den Grund wirklich weiß.
• Außerdem kann man hier anscheinend voraussagen, wenn jemand kommt. Und zwar wird gesagt, dass eine Frau kommt, wenn ein Löffel auf den Boden Fällt; bei einer Gabel kommt ein Mann. Was bei einem Messer kommt, konnte mir nicht gesagt werden.


Das war nun meine kleine Sammlung der Merkwürdigkeiten, an die Russen glauben oder die sie tun. Für die genannten Gründe gibt es natürlich keine Gewährleistung, wahrscheinlich variiert die Begründung auch bei jedem. Falls sich jemand mit dem russischen Aberglauben auskennt und gravierende Fehler in meinem Bericht entdeckt, bitte melden. Ich werde sie natürlich ganz schnelle verbergen. Über neue, mir noch nicht bekannte abergläubische Riten und Sitten würde ich mich auch freuen!


Liebste Grüße aus dem verschneiten Moskau,

Olga

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Es wird kalt!

Hallo Leute,

und wieder mal gibt es einen weekly digest über meine Zeit hier in Moskau.

Diese Woche ist es unglaublich kalt geworden. Die Temperatur ist auf minus 25 Grad runtergegangen. Alles Wasser ist zugefroren, in den Parks wurden Eislaufbahnen aufgestellt, ich kann beim Ausatmen meinen Atem sehen und meine Nase läuft, als ob ich eine Stunde joggen war. Ich pack mich also in meine warmsten Pullis ein und zieh Strumpfhosen unter meine Jeans und in meine Winterjacke an, die ich bereits vor ca. 5 Jahren von einer Freundin von meiner Mutter geschenkt bekommen hatte aber noch nie angezogen hatte. Damit sehe ich aus wie ein großes Kind, aber dafür ist mir immer warm. Nach dem dritten Tag kommt es mir gar nicht mehr so kalt vor. Nur meine Finger sind immer am abfrieren. Der Schmerz ist manchmal unglaublich intens, als ob meine Finger immer mehr zwischen der Tür eingeklemmt werden. Irgendwann ging der Schmerz weg und ich habe mich sehr gefreut. Als ich es dann meiner Vermieterin erzählte, hat sie sich leider nicht mit mir gefreut, sondern darauf bestanden, dass ich das nächste mal ihre Handschuhe anziehe. Anscheinend ist es nicht so gut, wenn der Schmerz irgendwann weggeht...

Ich arbeite immer noch hauptsächlich an der Datenbank der Kammer, bin nun aber endlich fast fertig. Das heißt, ich habe gestern die letzten 10 Firmen angeschrieben und werde sie, wenn sie mir bis morgen nicht antworten, anrufen. Letzte Woche konnte ich aber auch bei Treffen zwischen einer deutschen und mehreren russischen Firmen als Übersetzerin helfen. Am Anfang saß ich aber nur da und hab nix verstanden, denn die deutsche Firma produziert Handpumpen für Flüssigkeiten und sucht einen russischen Vertiebspartner für ihre Produkte. Am Anfang wusste ich also gar nicht, worüber es auf deutsch ging, geschweige denn auf russisch. Nachher aber war es ganz nett und hat Spaß gemacht, zusammen mit der deutschen Firma die russischen Firmen kennen zu lernen. Überraschenderweise hat mich die Frau von der deustchen Firma danach sogar gefragt, ob sie meine Kontaktdaten haben könne und ob ich nochmal für sie übersetzen wolle. Das ist natürlich sehr schmeichelhaft für mich, aber sie überschätzt meine Russisch-Kenntnisse bei weitem, denn sie hat mich ja nur auf deutsch verstanden :-))

Morgen haben wir dann die Betriebsweihnachtsfeier. Wir werden in einem Restaurant gemeinsam essen, singen und tanzen. Außerdem wichteln wir. Ich musste ein Geschenk für einen 50-jährigen Kollegen kaufen. Ich entschied mich für einen Jahreskalender, da kann man, glaube ich, nicht viel falsch machen:-) Am letzten Wochenende war ich dann auch noch andere Geschenke kaufen. Dabei ist mir aufgefallen, dass es fast nur drei Kategorien von Läden gibt: Klamottenläden, Schuhläden und Ramschläden. Wo soll man da ein gescheites Geschenk kaufen?! Nach einer Ewigkeit habe ich dann doch noch das gefunden, wonach ich gesucht habe. Leider bin ich noch nicht ganz fertig für dieses Jahr. Es gibt auch viel mehr Verkehr zu viel späteren Zeiten in Moskau, so sind nun selbst um 10 Uhr nachts Staus keine Seltenheit.

Nächste Woche kommt ja die Juliane zu mir zu Besuch! Dafür nehme ich mir dann ab Mittwoch die Woche frei, muss aber leider ab Montag bis Silvester arbeiten. Freue mich schon auf ihren Besuch und unsere Zeit hier zusammen. Da kein weiterer Besuch im Januar kommt, habe ich meine Pläne nun geändert und werde selbst eine Tour machen. Eine russische Freundin von mir hat nämlich noch ein Visum für die EU bis Mitte Januar und will die letzten Tage ausnutzen. Wir werden also am 1. Januar um 10 Uhr morgens (Ja, es wird eine sehr kurze Nacht und ein sehr langer Tag.) von Moskau nach St. Petersburg und dann gleich weiter nach Helsinki fahren. In Helsinki bleiben wir zwei Tage und fahren dann weiter nach Tallinn mit einer Fähre. Dort werden wir wieder zwei Tage verweilen und uns dann nach Stockholm aufmachen, wieder mit einer Fähre. In Stockholm bleibe ich dann bis zum 9. Januar und werde dann hoffendlich am 10. Januar wieder in Moskau ankommen. Die Reiseroute haben wir nun schon und auch die Tickets für die Transportmittel, nur die Zeit in den Städten ist noch nicht ganz verplant. Wird also noch etwas dauern, bis alles sicher ist. Darüber werde ich euch natürlich auch schreiben.

Ach ja, was ich euch in meinem letzten Bericht geschrieben habe über das British Center in Moskau, ist falsch. Anscheinend mussten nur die British Center in den Regionen schließen, in Moskau ist das Büro noch geöffnet. Ich habe mal einen sehr informativen Bericht gelesen, kann ihn nun aber leider nicht finden.

Bald werde ich euch eine Zusammenfassung über meine Recherchen zum Aberglauben in Russland schreiben. Darauf könnt ihr euch freuen!

Warme Grüße aus dem kalten Moskau

Olga

Montag, 7. Dezember 2009

Gute Neuigkeiten :-)

Hallo!

Ich melde mich mal wieder mit einem kleinen Bericht. Mir gehts immer noch gut, aber langsam wird es wirklich kalt. Heute hat es auch schon geschneit, ich habe mich über den Schnee sehr gefreut! Mal schauen, ob die Freude morgen noch anhält. Denn es ist zu befürchten, dass morgen nur noch dreckiger Matsch übrigbleiben wird. Und ich muss wohl bald meinen Mantel anziehen, den ich fünf Jahre lang in meinem Schrank gebunkert hatte. Endlich kann er sich beweisen.

Die letzten Wochen war ich wie die bisherigen sehr viel unterwegs. So war ich letzte Woche nicht vor 11 Uhr zu Hause. Ihr denkt euch bestimmt, wo treibe ich mich nur rum? Ich bin gar nicht so viel unterwegs, ich treffe mich nur mit Freunden oder gehe zu Veranstaltungen nach der Arbeit. Moskau ist aber so groß, dass es ziemlich zeitaufwendig ist, sich mit jemandem zu treffen. Und selbst wenn ich mich nur mit jemandem von 7 bis 10 in einem Cafe treffe, bin ich erst um 11 zu Hause. Ich befinde mich ständig in einem Wettlauf mit der Zeit, den ich leider oftmals verliere. So wollte ich z.B. am Donnerstag zu der Premiere des deutschen Filmfestivals gehen, bei der ich auf einer Gästeliste durch eine Freundin stand. Da ich noch vorher zu einer Bibliothek mit unglaublich schlechten Öffnungszeiten musste, traf ich beim Kino zu spät ein, da alle Plätze aufgrund eines zu hohen Andrangs vergeben waren. Meine Annahme, dass ich durch die Liste automatisch einen Platz kriegen würde, war leider falsch und ich sehr traurig.

Trotzdem kann ich noch viele Sachen nach der Arbeit machen. So war ich die letzten Wochen auf einer Fotoausstellung über John Lennon und Yoko Ono, habe ein paar tolle Cafes entdeckt, war auf einem Vortrag über eine Ostafrika Reise, auf einem Couch Surfing Treffen, auf einem klassischen Musikkonzert und ganz wichtig: im Kreml. Endlich habe ich es dorthin geschafft und war sehr begeistert! Vor allem von einer Ausstellung über die Waffenkammer und Schmuckproduktion war ich fasziniert und will unbedingt nochmal dorthin gehen. Wir waren zwar schon viereinhalb Stunden auf dem Gelände, gereicht hat es mir jedoch nicht. Außerdem werde ich die nächsten zwei Wochen noch fleißig in die Bibliothek gehen und für den Englisch Test lernen, den ich hier ablegen werde.

Ich habe auch noch ein paar frohe Meldungen zu verkünden. Zum einen habe ich endlich die Note für meine Bachelorarbeit erfahren, die nicht besser hätte sein können! Zum anderen kann ich vermelden, dass ich hohen Besuch aus Frankfurt erwarte, und zwar über Weihnachten! Juliane muss nur noch auf die Gnädigkeit der russischen Behörden hoffen.

Für einen anderen, der nun leider Engländer ist, sind die russischen Vorschriften nicht so gnädig. Da zeigt sich, wie Politik die Reisemöglichkeiten von Menschen behindern kann. Nach dem Tod des russischen Ex-Agenten Litwinenko 2006 wurden die Beziehungen zwischen England und Russland immer schlechter, so dass selbst das British Council, das englische Equivalent zu unserem Goethe-Institut, in Russland schließen musste. Die schlechte Beziehungen wirken sich auch in einer strikten und vor allem kostspieligen Visa-Vergabe Politik aus. So muss ein Engländer für ein Visum nach Russland ca 130 Euro Konsulargebühren zahlen im Vergleich zu 35 Euro für einen Deutschen. Das selbe gilt natürlich auch für die Russen, die nach England zu reisen veruschen. Denn die Botschaften spielen das Spiel: Wie du mir, so ich dir.

So, ich hoffe ihr habt Spaß beim lesen gehabt und würde mich über Kommentare von euch sehr freuen :-)

Liebe Grüße aus dem verschneiten Moskau.

Olga